EDITORIAL : Wettlauf gegen die Zeit

Ulf Fink
Foto: privat
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Rheuma hat viele verschiedene Formen. Mediziner schätzen, dass es mehrere hundert unterschiedliche Erkrankungen sind. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich um eine Störung des Immunsystems handelt. Kennzeichen dieser sogenannten Autoimmunerkrankungen ist ein selbstzerstörerischer Prozess, bei dem die Zellen des Immunsystems den eigenen Körper angreifen. So kommt es zu chronischen Entzündungen. Wenn diese Prozesse begonnen haben, ist oftmals eine komplette Heilung nicht mehr möglich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Patienten möglichst frühzeitig bei einem Rheumatologen vorstellig werden. Nur so kann zumindest ein heilungsähnlicher Zustand erreicht werden, da die Entzündungsprozesse nicht schon mit der Zerstörung beispielsweise der Gelenke begonnen haben.

In Berlin haben wir ein breites Angebot in der Versorgung. Es gibt rheumatologische Fachkliniken, rheumatologische Einrichtungen in der Charité und Rheuma-Ambulanzen. Die meisten Rheumapatienten werden ambulant betreut. Zum Glück gibt es in Berlin in den letzten Jahren einen Anstieg bei den niedergelassenen fach- und hausinternistischen Rheumatologen, auch wenn der von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie geforderte Versorgungsgrad noch nicht erreicht wird. Niedergelassene Rheumatologen arbeiten aber zum Beispiel mit Früharthritissprechstunden, um die Patienten rechtzeitig zu versorgen. Auch Sondervereinbarungen, wie mit der hiesigen AOK, helfen bei einer frühzeitigen Behandlung der Patienten.

Besonders stolz bin ich darauf, dass wir in Berlin eine sehr breite Selbsthilfebewegung (SEKIS) entwickelt haben, die ich als ehemaliger Gesundheitssenator Anfang der 80er Jahre finanziell mitaufbauen durfte. Hierunter befinden sich mittlerweile sehr viele Rheuma-Selbsthilfegruppen. Bei den komplexen Verläufen rheumatischer Erkrankungen gilt es besonders, die Patientenkompetenz zu stärken und für den Genesungsprozess zu nutzen. Der Austausch unter Betroffenen ist dabei ein zentraler Baustein. Auch die Deutsche Rheuma-Liga, 1970 gegründet und heute die größte Selbsthilfeorganisation im Gesundheitsbereich, unterstützt mit herausragendem Engagement Rheumapatienten.

Eine große Erfolgsgeschichte Berlins ist überdies das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum, welches ich 1988 mitgegründet habe und das heute Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft ist. Das Institut erforscht die grundlegenden Zusammenhänge zur Entstehung rheumatischer Erkrankungen – die Fehlreaktionen des Immunsystems mit der Entstehung chronischer Entzündungen. Das Rheuma-Forschungszentrum ist international sehr angesehen und stärkt den Ruf Berlins als führende Gesundheitsstadt.

In dieser redaktionellen Beilage, die der Verein Gesundheitsstadt Berlin in bewährter Kooperation mit dem Tagesspiegel umsetzt, finden Sie viele nützliche Anregungen und Hinweise rund um das Thema Rheuma.

Der Autor ist Vorsitzender des Vorstands von Gesundheitsstadt Berlin e.V.

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