EDITORIAL : Wolken zie- hen vorüber

JörgW er

Früher hat man von Freunden aus dem Urlaub eine Postkarte oder einen Brief bekommen und gut war’s. So Fernweh erregend bunte Motive von Meeresküsten oder Berggipfeln auch sein mochten, es war doch eine beträchtliche Abstraktionsschwelle zu überwinden, um in den klassischen Urlaubsneid-Modus zu kommen. Von knisternden, gehetzten Kurztelefonaten aus runtergerockten Telefonzellen ganz zu schweigen. Und heute? Da sitzt die beste Freundin quietschvergnügt am Ostseestrand und lässt einen per Mobiltelefon an ihrem wohlverdienten Ferienvergnügen teilhaben – dank eingebauter Flatrate ganz ohne Zeitdruck. Man hört das Meer rauschen und die Möwen kreischen und denkt sich, dass das jetzt schon ein bisschen ungerecht ist, im fahlen Bürohalbdunkel die schönsten Tage des Jahres vergeuden zu müssen. Da hilft nur der regelmäßige Minutenurlaub auf der Dachterrasse des Tagesspiegel-Hauptquartiers: Wenn die Wolken vorüber ziehen und die Sonne sich dem Horizont entgegen neigt, ist es dort fast so schön wie am Meer. Aber nur fast. JörgWunder

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben