Edward Snowden : Antrag von der Ex

Es ist ein wenig ruhig geworden um Anna Chapman. Jetzt, da die Umwanderung Deutschlands beendet ist, glücklich beendet übrigens, und sich der Wanderer nicht mehr altersdiskriminieren lassen muss, weil ein jüngerer Mensch möglicherweise mehr als 1473 Kilometer zu Fuß gelaufen wäre, was der Wanderer, ich nämlich, phh!, erst mal sehen will, jetzt also, da die Strecke von Swinemünde in Polen nach Swinemünde in Polen im Uhrzeigersinn durchschritten ist und Füße, Beine, Rücken auf Entspannung eingestellt sind, kann man ja mal schauen, was Anna Chapman so macht. Anna Chapman, die „Agentin Null-Null-Sex“, die „Venusfalle von der Wolga“, die Femme fatale mit den feuerroten Haaren, die Mata Hari der Neuzeit, die im Jahr 2010 als russische Spionin in den USA aufflog, dann in einer spektakulären Austauschaktion nach Moskau zurückkehrte und dort heute als, ja, natürlich, als feuerrote Ex-Mata-Hari, Ex-Venusfalle und Ex-Null-Null-Sex in der russischen Pseudo-Society unterwegs ist und auch schon mal, so heißt das in diesen Fällen, die Hüllen fallen ließ für entsprechende Hochglanzmagazine.

Anna Chapman twittert. Und plant eine Zukunft. Ob diese Zukunft eine Zukunft hat, sei dahingestellt. Die an dieser Zukunft beteiligten Personen haben sich bislang nicht dazu geäußert. Anna Chapman will Edward Snowden heiraten.

Das hat sie zumindest via Twitter bekannt gegeben. Eine schöne Story wäre das allemal. Ex-Spionin heiratet den derzeitigen weltweiten Chefspion, der dankenswerterweise das Schnüffelprogramm der US-Geheimdienste öffentlich gemacht hat, dafür nun einem kleinen Teil der Welt als Verräter gilt und dem größeren Teil als wackerer aufrechter Held, dessen Rolle bei der Verfilmung wohl von Gael Garcia Bernal übernommen werden dürfte. Edward Snowden hält sich derzeit bedeckt, muss sich verstecken, ersucht die halbe Welt um Asyl, was ihm erstaunlicherweise verwehrt wird. Immerhin weiß man, wo er sich versteckt hält, und das ist praktisch für Anna Chapman, nämlich in Moskau, vermutlich in einem Zimmer eines Hotels auf dem Flughafen. Wie gesagt, bis dato ist nicht bekannt, ob Snowden Anna erhört und den Antrag abnimmt. Aber eins ist gesichert: Die Ex-Mata-Hari war umsichtig genug, auch an die Weiterungen dieser Verbindung zu denken. In einem zweiten Tweet bat sie die NSA, den schnüffelnden amerikanischen Sicherheitsdienst, auf die Kinder aufzupassen. Das dürfte garantiert sein. Helmut Schümann

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