Zeitung Heute : EES online: Master via Internet

Klaus Segbers

Mit den Angeboten zum umstandslosen Kauf eines Diploms, die ständig ins Emailpostfach flattern, hat der im Herbst 2004 eingeführte Fernstudiengang East European Studies natürlich nichts gemein. Nein, dieser neue Masterabschluss muss schon mit tatsächlichen Leistungen erworben werden. Das Studieren erfolgt größtenteils über eine Lernplattform, die über Internet zugänglich ist. In diesem Blackboard finden sich die zu bearbeitenden Lehrtexte und die verpflichtende Lektüre. Hier besteht Gelegenheit zum Austausch in Diskussionsforen, und hier werden die zu erledigenden Aufgaben eingereicht. Innerhalb von zwei Jahren müssen 13 Module bearbeitet und bestanden werden. Solange die Studierenden die gesetzten Fristen einhalten, sind sie frei in ihrer Zeiteinteilung.

Den Einstieg in den Pilotlauf im Herbst 2004 haben 28 Studierende gewagt. Sie kommen nicht nur aus Deutschland, sondern aus verschiedenen Ländern West- und Osteuropas und sogar aus den USA und Kanada. Durch die ausschließliche Verwendung von Englisch als Unterrichtssprache wird ein internationales Publikum erreicht. Bisheriges Studiengebiet, Berufserfahrungen und Alter sind höchst unterschiedlich.

Im Laufe des ersten Studienjahres haben nur wenige Studierende aufgegeben, weil sie das Studium nicht mit Beruf und Familie vereinbaren konnten. Hier zeigt sich die Herausforderung, die der Studiengang bietet: Einerseits handelt es sich um ein Vollzeitstudium, das eben vollen Einsatz erfordert. Andererseits verführt die Unabhängigkeit von Ort und Zeit zu einer berufsbegleitenden Durchführung, was aber nur bei großer Motivation und strenger Selbstdisziplin zu schaffen ist. Vom Programm zeigen sich die Studierenden bisher sehr angetan. Einige Verbesserungsvorschläge sind bereits umgesetzt worden. Die Rückmeldung ist wichtig, um das Angebot laufend zu verbessern und den Erfordernissen aller Beteiligten optimal anzupassen.

Im Herbst 2004 ist der zweite Durchlauf gestartet. Da die Projektförderung nur für den Pilotlauf gilt, müssen weitere Durchläufe über die Studiengebühren finanziert werden. Die 1000 Euro Studiengebühren für das gesamte Programm mussten entsprechend auf zunächst 5450 Euro erhöht werden. Sicher ist das im internationalen Vergleich noch ein niedriger Betrag, der in Deutschland trotzdem auf geringere Akzeptanz stößt. Durch vermehrte Anstrengungen bei der Werbung und eine längere Ausschreibungsfrist sollen die Bewerberzahlen für den für Herbst 2005 geplanten dritten Durchgang erhöht werden.

Zu jeweils vier einwöchigen Präsenzphasen kommen die Studierenden nach Berlin. Der Kontakt untereinander hat sich als äußerst wichtig für den Studienerfolg erwiesen. Natürlich wird während der Online-Phasen elektronisch kommuniziert, aber der Austausch von Angesicht zu Angesicht behält seine Wichtigkeit. Der emotionale Faktor darf nicht unterschätzt werden, und der Betreuungsaufwand liegt bei Online-Studierenden sicher höher als bei Präsenzstudierenden. Das individuellere Feedback soll sich aber auch positiv auf den Studienerfolg auswirken. Während der vergangenen Präsenzphase konnten sich auch die Studierenden der beiden jetzt laufenden Durchläufe kennen lernen und Erfahrungen austauschen. Dies ist der erste Schritt hin zum Aufbau eines Alumni-Netzwerkes, das in Zukunft Studierende und Absolventen von East European Studies online verbinden soll.

Der Autor lehrt am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften und am OEI.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar