Zeitung Heute : Effizienz-Prüfung mit dem Rotstift

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Das Wissen der Arbeitnehmer auf dem Laufenden zu halten, ist eine teure Angelegenheit. Ohne Effizienz-Prüfung würden die Kosten für die Unternehmen aus dem Ruder laufen. 86 Prozent der größeren und 72 Prozent der mittleren Firmen erfassen deshalb systematisch, wieviel Geld sie für welche Weiterbildungsaktivitäten ausgeben. In einer bundesweiten Befragung von 1 700 Unternehmen ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb) die reine Kostenkontrolle als das nach wie vor beliebteste Instrument (siehe Grafik).

Die Möglichkeiten des Bildungscontrolling sind damit allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Quer durch alle Größenklassen setzen die Unternehmen auch andere Verfahren ein. Qualitätssicherungsmaßnahmen halten beispielsweise acht von zehn kleine Unternehmen und 67 Prozent Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten für sehr wichtig. Jedes zweite mittlere und größere Unternehmen setzt auf Erfolgskontrollen. Dabei wird nachgefragt, ob die Seminare tatsächlich zu einem Lernfortschritt der Teilnehmer geführt haben. Als drittes Instrument nennt das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (iw), das die bibb-Studie "Bildungscontrolling - ein Konzept zur Optimierung der betrieblichen Weiterbildung" in seinem wöchentlichen Dienst kommentiert hat, die Beurteilung von Inhalten und Lehrmethoden anhand vorgegebener Lernziele. Bei einer solchen Evaluation wird zum Beispiel gefragt, ob der Kursteilnehmer sein Wissen tatsächlich am Arbeitsplatz anwenden kann. Die für dieses Verfahren aufwendigen Messverfahren sind für kleine Betriebe in der Regel kaum finanzierbar. Selbst Großbetriebe setzen die Evaluation nur selten ein. Nur 36 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern investieren Personal und Betriebsmittel, um den Lernerfolg wissenschaftlich zu kontrollieren.

Dass gut drei von fünf Großunternehmen aufwendiges Bildungscontrolling betreiben oder wenigstens einzelne Elemente in die Bildungsarbeit integrieren, verwundert das Kölner iw nicht: 70 Prozent der Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verfügen über eigene Bildungsabteilungen. Bei den mittleren Betrieben sind es nur 25 Prozent und in kleinen Unternehmen kümmert sich meist ein Einzelkämpfer darum, dass die Mitarbeiter den Anschluss an Strukturwandel und technische Innovationen nicht verlieren - der Chef höchstpersönlich.

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