Zeitung Heute : Egon Banghard: Das große Bangen beim Millionen-Spiel

Ralf Schönball

Für Egon Banghard geht das entscheidende Spiel in die letzte Phase. Und es sieht gar nicht gut aus für den Präsidenten des Eishockey-Clubs Berlin Capitals. Der Immobilien-Unternehmer hat sich beim Bau der "Embassy-Suites" nahe dem Pariser Platz verrechnet. Wo Prominente Mitte des Jahres Luxus-Appartments beziehen sollten, ist das Erdgeschoss mit schweren Holzbrettern zugenagelt. Die seit einem Jahr verlassene Baustelle hat bereits Millionen verschlungen. Geld, um das Haus zu Ende zu bauen, ist keins da. Unter Druck ist der "geniale Verkäufer" (ein Intimus) von Immobilien-Fonds auch bei einem gemeinsamen Projekt mit dem schwedischen Konzern Siab. Dieser schickte bereits die Gerichtsvollzieher bei Banghard vorbei. Die Deutsche Eishockey-Liga könnte es dem Konzern bald nachmachen: Denn auch ihr ist Banghard eine Millionen-Summe schuldig.

"Herr Banghard hat verschiedene Vereinbarungen nicht eingehalten", sagt Nils Olov Boback, "daher war die Vertragsstrafe fällig." Boback ist der Vorsitzende der deutschen Geschäftsleitung des schwedischen Konzerns NCC. Viele Jahre arbeitete das zweitgrößte Bauunternehmen Skandinaviens mit dem deutschen Fonds-Multi zusammen, zahlreiche Projekte realisierte man gemeinsam. Doch die gedeihliche Zusammenarbeit ist nun durch den Besuch des Gerichtsvollziehers bei Egon Banghard getrübt. Dem Vernehmen nach verlangte der Beamte im Auftrag der NCC rund sechs Millionen Euro von dem Unternehmer - und pfändete diese Forderung.

Privatvermögen unter dem Hammer

Sollte Banghard die Vertragsstrafe an NCC nicht bezahlen, kommen Teile seines Vermögens unter den Hammer. Ihre Ansprüche hat die NCC, weil Banghard seinen Verpflichtungen beim gemeinsam geplanten Wohnpark Glienicke nicht nachkam, behauptet die NCC. Das Unternehmen sollte die rund 1200 Wohneinheiten nebst Kaufhalle und Gewerbebauten errichten, Banghard das dazu erforderliche Kapital bei privaten Anlegern einsammeln. Beflügelt von vergangenen Verkaufserfolgen garantierte er seinem schwedischen Partner, dass ihm dies auch gelingt. Doch ein vereinbarter Verkauf scheiterte in letzter Minute. Nun verhandelt Banghard mit der NCC über einen Vergleich und hofft die Partnerschaft weiterzuführen.

Seit Januar ist auch eine zweite, ungleich höhere Rechnung bei Banghard fällig: für das Hotel "Embassy-Suites" nahe dem Pariser Platz. Auch dieses Gebäude sollte durch einen Fonds finanziert werden. Eine Reihe von Anlegern sitzt bereits mit im Boot. Der prominente Filmautor und Schriftsteller Alexander Kluge ist darunter. Ihm und den anderen Zeichnern hatte Banghard garantiert, dass im Januar rund 63 Millionen Euro für Planung, Bau und Betrieb des Suiten-Hotels zusammengetragen sind. Doch auch dieses Vorhaben schlug bisher fehl.

Nach Angaben von Banghard hätten sich Anleger bis heute mit 13 Millionen Euro beteiligt. "Schönfärberei" nennen Insider diese Zahl - gerade mal die Hälfte dieser Summe sei zusammengetragen. Mindestens 50 Millionen Euro muss Banghard nun selbst aufbringen. Dazu verpflichtete er sich vertraglich gegenüber den Anlegern. Dass der Fonds-Multi die vielen Millionen von Banken erhält, ist wenig wahrscheinlich. Geldhäuser haben bereits rund 20 Millionen Euro in die noch nicht fertiggestellte Immobilie gepumpt. So steht es im Grundbuch. Werner Rohmert, Immobilien-Experte beim Branchen-Blatt Platow-Brief, schätzt den Wert des Rohbaus auf "maximal 15 Millionen Euro". Demnach wären die Embassy-Suites schon heute überschuldet. Banghard widerspricht dieser Rechnung jedoch (siehe Interview).

Kein Geld - und die Zeit läuft Banghard davon: Den Anlegern hatte der Unternehmer im Prospekt angekündigt, dass die ersten Gäste im zweiten Halbjahr 2002 in das Hotel einziehen könnten. Doch wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung sind in dem Gebäude weder die Aufzüge noch die automatische Parkplatztechnik eingebaut. Die bestellten Waren liegen bei den Lieferanten. "Seit zwei Jahren", sagt der Geschäftsführer der mit dem Einbau beauftragten Siab. Und auch diese Ware ist noch nicht bezahlt.

Die Zins-Uhr tickt

Eng wird es für Banghard und seinen Fonds nahe Pariser Platz spätestens dann, wenn die Geldhäuser ihm den Geldhahn zudrehen sollten. Die Millionen-Kredite der Allgemeinen Hypotheken-Bank für das Projekt in der Nähe vom Hotel Adlon kosten bereits heute mehr Zinsen als vorgesehen. Der Prospekt über den Fonds hat jedenfalls in diesem Jahr nicht eine Mark für Kredit-Kosten vorgesehen. Wäre alles nach Plan gelaufen, wären alle Kredite bereits Ende 2001 zurückgezahlt mit dem Geld von weiteren Anlegern. Doch das fehlt bis heute.

Wie es weitergeht mit den "Embassy-Suites" soll nun eine Versammlung von Gesellschaftern Ende dieses Monats beschließen. Alexander Kluge und die anderen Betroffenen sind Kummer gewohnt. Ursprünglich sollten wohlhabende Senioren das Gebäude in der Wilhelmstraße beziehen. Nach den Pleiten von zwei größeren Betreibern von Altersstiften änderte Banghard das Konzept. Der gewiefte Verkäufer war bei der Vorstellung des nun geplanten Suiten-Hotels offenbar so überzeugend, dass die Anleger bei einer ihrer letzten Krisensitzungen im vergangenen Jahr sogar ein respektables Angebot der Fundus-Gruppe ausschlugen. Der Eigentümer vom Hotel Adlon wollte den Rohbau von dem Fonds abkaufen. Banghard zufolge lag ein Angebot über stattliche 28 Millionen Euro vor. Damit hätte der Fonds bequem die Kredite der Banken zurückzahlen können. Die Anleger hätten ihr Geld zurückerhalten und dem Vernehmen nach sogar noch eine Prämie von 20 Prozent oben drauf bekommen. Aber das war ihnen nicht genug.

An ein zweites Angebot der Fundus-Gruppe glaubt in der Branche derzeit niemand. Zwar verzeichnet das Adlon immer noch gute Umsätze, doch seit dem Terroranschlag in New York übernachten auch im berühmten Hotel am Brandenburger Tor weniger Gäste als erwartet. Darauf reagierte der Betreiber des Adlons, die Kempinski-Gruppe, bereits mit einem Rückzug aus dem gemeinsam mit Fundus geplanten Hotel-Projekt "Haus Cumberland" am Kurfürstendamm. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft hatte sein Veto eingelegt. Eine Übernahme der 52 Embassy-Suiten durch das Adlon hätte zwar den Charme, dass die beiden Rücken an Rücken gelegenen Gebäude einfach zusammengelegt werden könnten. Doch bei der derzeitigen Auslastung des Adlons wäre diese Erweiterung wirtschaftlich abenteuerlich. Auch ohne die zusätzlichen Räume war die erste Berliner Hotel-Adresse im vergangenen Jahr nach Angaben des Betreibers durchschnittlich nur zu rund 60 Prozent ausgebucht.

Wie es weitergehen soll mit dem unvollendeten Suiten-Hotel ist unklar. Ein Umbau des Gebäudes zu einem Bürohaus ist so gut wie ausgeschlossen. Im Inneren ist das Haus so konzipiert, dass 52 kleine Appartments mit einer Fläche von jeweils 40 Quadratmetern entstehen. Außerdem würde eine Vermietung der rund 5000 Quadratmeter Nutzfläche als Büros bei weitem nicht genügend Geld einbringen, um die geplanten jährlichen Pachteinnahmen von rund 3,25 Millionen Euro in die Kassen des Fonds zu spülen. Um diese Summe zu erwirtschaften, müsste Banghard das Haus nicht nur restlos vermieten, sondern für jeden Quadratmeter über 54 Euro monatliche Miete einnehmen. Derart astronomische Preise zahlt in Berlin kein Nutzer von Gewerbeflächen. Die Spitzenpreise liegen nach einer Studie der Makler von DTZ bei gut 30 Euro.

Unterdessen spitzt sich die Lage auch bei Egon Banghards dritter Baustelle zu: den Berlin Capitals. Nach jüngsten Meldungen droht die Deutsche Eishockey-Liga dem Verein mit dem Entzug der Lizenz, falls Banghard seine vor der Saison gegebene Patronatserklärung nicht erfüllen sollte. Der Fonds-Multi hält 97,38 Prozent der Anteile an dem Eishockey-Club und soll für eine Summe in Höhe von 1,28 Millionen Euro bürgen. Ein Teil des Geldes ist inzwischen fällig. Der DEL zufolge warten die Sportler vergeblich darauf. Dass sie ihre Ansprüche gegen Banghard wie der schwedische Baukonzern im Rahmen einer Zwangsvollstreckung durchsetzen werden, ist nicht ausgeschlossen. Beginnt so der endgültige Absturz eines Finanzjongleurs? "Banghard ist schon oft totgesagt worden", sagt einer seiner ehemaligen Geschäftspartner, "doch dann ist er immer wieder zurückgekehrt."

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