Zeitung Heute : Egon Banghard: Interview: "Das Geld steht bereit"

Herr Banghard[Sie haben persönlich den Berli]

"Ein begnadeter Verkäufer", so lautet das einhellige Urteil über Egon Banghard in der Immobilien-Branche. Im Jahr 1985 gründete Banghard das Flaggschiff seines Firmenimperiums: die "Prinz zu Hohenlohe-Jagstberg & Banghard"-Gruppe. Diese verkauft privaten Anlegern Anteile an geschlossenen Immobilien-Fonds und kassiert dafür Provisionen. Je mehr Kapital Banghard mobilisiert, desto mehr verdient er. Mit den eingesammelten Geldern errichtet er Immobilien. Zum Teil verdient Banghard auch an deren Bau sowie am Fonds-Management. Zum Höhenflug setzte Banghard Ende der 1990er Jahre an. Nach einer Studie des Experten Stefan Loipfinger mobilisierte er im Jahr 1999 rund 272 Millionen Euro aus Privatschatullen. Doch zur Jahrhundertwende verloren die Anleger die Lust an Immobilien-Investitionen in den neuen Ländern, weil der Gesetzgeber die damit verbundenen Steuergeschenke gestrichen hatte. Da schmolz auch Banghards Umsatz zusammen: 2000 sammelte er nur 150 Millionen Euro privates Kapital ein, 2001 nur noch 47 Millionen Euro.

Herr Banghard, Sie haben persönlich den Berlin Capitals 1,2 Millionen Euro zugesichert. Bis heute fehlt das Geld. Fürchten Sie nicht, dass die deutsche Eishockey-Liga Ihr Privatvermögen verpfändet?

Nein, denn ich habe nur eine Bürgschaft gegeben. Und mit der DEL und den Caps habe ich nichts zu tun. Alle Vollmachten für Geschäfte, die die Capitals betreffen, habe ich Rechtsanwalt Dr. Michael Müller und dem neuen vorgesehenen Geschäftsführer Thorsten Weck erteilt. Ihnen liegt ein Fax mit einer DEL-Forderung von 400 000 Euro vor für Spielergehälter. Dieses Geld steht bereit. Wir werden den Spielbetrieb aufrecht erhalten und die Gehälter bezahlen. Hinter Dr. Michael Müller und der Geschäftsführung steht ein Konsortium von Investoren. Gemeinsam prüfen wir derzeit, ob wir den Partnern einen Teil meiner Gesellschafter-Anteile verkaufen oder ob wir eine Kapital-Erhöhung bei den Caps durchführen. In beiden Fällen erhält der Verein frisches Geld.

Die Caps sind nicht die einzige brach liegende Baustelle mit offenen Rechnungen. Ist Ihnen das Geld ausgegangen?

Wegen der Caps hat man mich hingerichtet. Das ging vom Sport- in den Wirtschaftsteil der Zeitungen. Man kann liquide sein durch den Umsatz der eigenen Firmen oder durch den Verkauf von Immobilien-Vermögen. Wir bieten derzeit zwanzig bis dreißig unserer über 100 Immobilien zum Verkauf an, um die geringeren Erlöse aus dem Fonds-Vertrieb auszugleichen. Zugleich verhandeln wir über den Vertrieb neuer Fonds mit einem Volumen von 300 Millionen Euro. Trotz der Rufschädigung wegen der Caps-Affäre erhalten wir reichlich Angebote.

Dem Tagesspiegel liegt eine Übersicht über Ihr Vermögen vor. Das sieht gar nicht gut aus. Sie müssen für Ihre Schulden rund 10 Millionen Euro jährlich zahlen. Dem stehen aber nur sechs Millionen Euro Mieterträge gegenüber. Wie lange halten Sie das durch?

Sie übersehen, dass es sich dabei um Annuitäten handelt. Diese enthalten viel Tilgung, also Kreditrückzahlungen. Berücksichtigt man nur die Zinsen, fehlt eine Million Euro jährlich. Noch etwas steht in der Vermögensaufstellung: 2003 zahlen uns Lebensversicherungen 27 Millionen Euro aus für Immobilien. Damit ist das Problem gelöst.

Aber nicht der Ärger um die Embassy-Suites in der Wilhelmstraße. Wenn die Anleger hier Ihre Garantie einfordern, dann müssen Sie kurzfristig 50 Millionen Euro aufbringen...

Uns liegen Reservierungen von Anlegern und Kooperationspartnern für die Hälfte dieser noch zu vertreibenden Fonds-Anteile vor. Doch wir haben den Verkauf gestoppt, weil uns die Genehmigung für den Umbau des ursprünglich als Seniorenresidenz geplanten Baus in ein Hotel fehlt. Die britische Botschaft hatte nach dem Terror-Anschlag in New York zu Recht Sicherheitsbedenken. Diese sind ausgeräumt. Nun wird in Kürze die Baugenehmigung erteilt, und der Vertrieb kann weitergehen. Wir hatten deshalb die Hotel-Eröffnung auf 2003 verschoben. Ende des Monats haben wir eine Versammlung, und ich werde mich von der Entscheidung der Fonds-Gesellschafter leiten lassen. Sie können das Gebäude auch verkaufen. Wir verhandeln bereits mit Interessenten.

Der Rohbau ist heute schon mit Krediten in Höhe von 20 Millionen Euro hoch verschuldet, und dann müssen sie noch die Anleger auszahlen. Experten sagen, das Gebäude sei höchstens 15 Millionen Euro wert...

Das stimmt nicht. Das Bauland kostet nach amtlichen Grundstückswerten über 20 Millionen Euro. Hinzu kommt der Wert des Gebäudes: 15 bis 20 Millionen Euro. Wenn die Gesellschafter verkaufen wollen, werden sie den Preis für ihre Anteile plus Zinsen zurückbekommen. Doch ich bin davon überzeugt, dass unser Hotel-Konzept aufgeht. Als wir den Fleesensee-Fonds für Mecklenburg-Vorpommern auflegten, haben uns auch alle eine Pleite vorausgesagt. Heute ist der Robinson-Club im Schnitt zu 80 Prozent belegt. Das erreichen Ferienimmobilien selten. Und die Anleger bekommen neben den Ausschüttungen eine Gewinnbeteiligung.

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