Ehec-Erreger : Gurkensalat mit der CDU

Aus gegebenen Anlass sei noch mal an Zonen-Gaby erinnert. Jene glückliche, junge Frau, die kurz nach der Wende mit ihrer ersten Banane in der Hand vom Titelblatt der „Titanic“ strahlte. Banane war es natürlich nicht, was Gaby in der Hand hielt. Gaby hätte leicht die grüne Schale abziehen können, dann alles dünn hobeln können. Dazu eine Zwiebel abziehen, halbieren, dünn aufschneiden. Wer’s mag, der verrührt in einer Salatschüssel Joghurt mit Essig, Salz, Zucker und Pfeffer, gießt noch ein wenig Öl dazu, bitte, man kann noch ein Bund Dill waschen, trocken schütteln, klein schneiden und dazugeben. Dann muss man nur noch die vermeintliche Banane und die Zwiebel untermischen und fertig ist der Gurkensalat. Ist kinderleicht, ist erfrischend, aber natürlich verpönt in diesen Tagen, weil die Gurke weiterhin als extrem tatverdächtig gilt. Weswegen es verdammt mutig von der CDU Baden-Württembergs ist, gestern auf dem Stuttgarter Wochenmarkt zum demonstrativen Gurkensalatessen anzutreten. Entgegen der Warnung des Robert-Koch-Instituts! Fraktionsvorsitzender Peter Hauk im Glück: sein erster Ehec-Erreger!

Die selbstlosen, todesmutigen und christdemokratischen Gurkenanarchisten haben Vorbilder. Gerne stellt sich so ein Politiker schon mal als Testperson zur Verfügung und opfert sich auf im Dienste irgendeiner Sache. Kürzlich erst der japanische Regierungssprecher Edano. Japan ist ja weiterhin in Aufruhr und die Bauern um Fukushima herum sind es noch ein bisschen mehr. Weil niemand mehr ihre möglicherweise verstrahlten Produkte kaufen mag. Was man ebenso verstehen kann, wie die hiesige Skepsis gegenüber Gurken, Tomaten, Salaten, Sprossen und was sich sonst noch alles vom Robert-Koch-Institut erwischen lässt. Regierungssprecher Edano ist also nach Fukushima gereist und hat dort vor den Augen und Kameras der Welt Tomaten und Erdbeeren verspeist. Schau her, Welt, wir haben vollstes Vertrauen in unsere Atomkraft. Edano hat, wenn man das in diesem Zusammenhang so sagen kann, bei seiner Aktion sogar gestrahlt, wie einst Zonen-Gaby. Man kann auch sagen, dass die Aktion der CDU Baden-Württembergs ein wenig krampfig wirkt. Aber solche Demos haben Langzeitwirkung. Noch heute wird der damalige Umweltminister Klaus Töpfer für seinen Sprung in den Rhein gelobt. Das war 1988 und wurde als Beleg für die Reinheit des Wassers gewertet. Oder als Mut Töpfers. Tatsächlich hatte er nur eine Wette verloren.Helmut Schümann

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