Zeitung Heute : Eher zufällig stieß man zwischen Vogesen und Schwarzwald auf antike Ruinen und sensationelle Fundstücke

Ilse Tubbesing

Die Römer, das hat man schließlich schon in der Schule gelernt, wussten immer, wo die Welt am schönsten war. In Rom natürlich. Aber auch weiter im Norden bei den Germanen, in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Vogesen und Schwarzwald. Hier haben sich die Römer schon 30 Jahre nach Christus angesiedelt. Sie legten ihre Heeres- und Transportstraße eben dort an, wo das Gelände flach und übersichtlich war. So unglaublich das klingen mag: die Bundesstraße 3 unserer Tage wurde mancherorts eindeutig auf der Trasse der Römerstraße angelegt. Links und rechts Äcker und Wiesen.

Wie die Entdeckung schließlich zustande kam? Die Bauern in der Region des schmucken Städtchens Heitersheim (urkundlich schon 777 nach Christus im Lorscher Codex erwähnt) klagten seit Jahr und Tag über die Scherbenhaufen in ihren Äckern und Wiesen. Immer wieder stießen sie auf Mauern und Schutt. Die Kunde davon machte schließlich die Archäologen der Universität Freiburg hellhörig. Sie kamen. Sie gruben. Und sie gingen nicht mehr bis auf den heutigen Tag.

Was sie im Scherbenacker entdeckten? Reiche Überreste einer Villa urbana. Fast zweitausend Jahre alt. Ein römischer Gutshof von den Ausmaßen späterer Rittergüter. Landwirtschaft - aber auch Kultur pur. Was Cicero, Horatius und Plinius vor zweitausend Jahren als besondere Vorzüge ihrer Landgüter schätzten, galt auch hier: Das Naturerlebnis, verbunden mit dem schönsten Komfort. Prächtige Bäder und bemalte marmorne Wände, Gartenanlagen und Plattenböden aus römischen Ziegeln. Vom großen Weinkeller ganz zu schweigen. Ein Kulturdenkmal ersten Ranges. Münzenfunde aus der Zeit des Kaisers Tiberius. Bronzefibeln mit mehrfarbigen Emailleeinlagen. Salbgefäße aus Alabaster. Kostbarkeit aller Kostbarkeiten: die Bronzestatuette eines römischen Amors. Gefunden an der B 3! Wie sagen die Wissenschaftler? "Ein Glücksfall für die Archäologie!" Diese römische Villa urbana von Heitersheim nimmt unter den römischen Villenplätzen in Baden-Württemberg einen einzigartigen Rang ein. Für den Wissenschaftler weist die Anlage vier deutlich erkennbare Bauphasen auf. Erst der hölzerne Gründungsbau, gefolgt von einem Fachwerkbau auf Steinsockeln. Die dritte Bauperiode, die durch die Konservierungsarbeiten zur Darstellung gelangen soll, wurde zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet. Das Herrenhaus mit Säulengängen, warmen Bädern, weitläufigen Gärten, Wasserbecken, Wohntrakt und Wirtschaftsteil, gab den Blick über die fruchtbare Ebene frei.

Der Besucher von heute kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die hohe Kultur der römischen Zeit. Im Reich der Germanen, die damals noch auf Bärenhäuten schliefen!

Längst sind die Anlagen überdacht und somit geschützt. Die Beschriftung auf gläsernen Wänden und auf Schautafeln leitet den Gast von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Eine neunzig Meter lange Säulenhalle führt vom Wirtschaftstrakt zur Villenanlage hinüber. Zweitausend Jahre alte Münzen sind zu besichtigen, kostbarer Schmuck und Amorstatuetten. Wie heißt es doch auf einer solchen Statuette in der Villa urbana? "Und Amor selbst schwenkt mir voran die brennenden Fackeln!"

Die Besucher kommen in Scharen. So sie besonderes Glück haben, übernimmt der Universitätsprofessor Dr. Nuber (UNI Freiburg) die Führung. Auskunft: Verkehrsamt am Rathaus, Hauptstraße 9, 79423 Heitersheim

Telefon: 076 34 / 402 12. Dort gibt es auch Hinweise über Hotels und Gasthäuser.

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