Zeitung Heute : Ehrlich-Preis für Craig Venter

Der Tagesspiegel

Der amerikanische Gen-Pionier und Firmengründer Craig Venter hat am Donnerstag in Frankfurt einen der renommiertesten deutschen Wissenschaftspreise, den Paul- Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis erhalten. Der 55-Jährige Venter hat die Entzifferung des menschlichen Erbguts maßgeblich vorangetrieben. 2001 veröffentlichten die von ihm gegründete Firma Celera Genomics und der konkurrierende öffentliche Forscherverband zeitgleich ihre Ergebnisse in Fachjournalen.

Die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Gudrun Schaich-Walch (SPD), und der Vorsitzende des Stiftungsrates, Hilmar Kopper, überreichten den mit gut 61 000 Euro dotierten Preis in der Frankfurter Paulskirche. „Ohne Venters Besessenheit hätte der Wettlauf weder ein so schnelles noch ein so harmonisches Ende gefunden“, sagte Kopper. Venter habe mit seiner „Schrotschuss-Technik“ die Entzifferung von Erbgut stark beschleunigt, sagte der Laudator, Abner Notkins, (Bethesda, USA). Venters Methode zerlegt das gesamte Genom in kleine Teile und setzt diese am Computer wieder zusammen. Venter sagte, er sei sicher, dass die Gentechnik die Medizin entscheidend voranbringen werde, Die Methode dürfe aber nicht dazu missbraucht werden, Menschen zu benachteiligen. Es müsse verhindert werden, dass Versicherungen oder Arbeitgeber Menschen ausschlössen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit an bestimmten Krankheiten erkrankten.

Im Vorfeld gab es Kritik an der Nominierung des Wissenschafts-Unternehmers. „Venter bekommt den Preis zu Unrecht“, sagte der Koordinator des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP), Helmut Blöcker. Die Begründung der Jury treffe „in wesentlichen Punkten“ nicht zu. Venter habe keine neue Methode entwickelt. Das Sequenzieren sei lange bekannt gewesen. Venters Schrotschusstechnik sei unbrauchbar. Sie habe ein zu hohes Fehlerrisiko, weil sie Wiederholungen im Erbgut nicht berücksichtige.

Venter ging in seiner Dankesrede auf seine Kritiker ein: „Bedeutende Entdeckungen bauen auf den Entdeckungen anderer auf“, sagte er. Sein Erfolg gründe in seinem Willen, „etwas um der Wahrheit willen zu riskieren“. Als junger Forscher habe er zehn Jahre damit verbracht, ein einziges Gen zu isolieren. Das habe ihn veranlasst, nach einer schnelleren Methode zu suchen. Der Preis ist nach dem Medizinnobelpreisträger Paul Ehrlich (1854- 1915) und dem Wissenschaftshistoriker Ludwig Darmstaedter (1846-1927) benannt. dpa

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