Zeitung Heute : Eierschreck

Der Tagesspiegel

Wovor fürchtet sich der aufrechte Sozialdemokrat? Vor sozialer Ungerechtigkeit, natürlich, vor Edmund Stoiber, dem Ober-Bayern - und davor, dass ihm ein Band der schon vor langer Zeit hinten ins Regal gerückten Marx-Engels-Gesamtausgabe auf den Kopf fallen könnte. Aber sonst? Mahnwachen, Wahlkampfstände bei Windstärke zwölf, Unterbezirksvorstandswahlen mit vorheriger Entlastung des Kassenwarts – kein Thema. Dennoch zeigt das Bild des unverdrossenen Aktivisten Sprünge, und sie zeigen sich, kein Wunder, in Köln, der Hochburg der Parteienfinanzierung, wo sie aus der solidarischen Spende eine filigrane Kunstform gemacht haben. Das missfällt gewissen Neidern, und in der SPD breitet sich Angst aus. Denn es wird Ostern, und die Kölner SPD hat dieses Fest seit Äonen zum Anlass genommen, an Info-Ständen bunte Eier zu verschenken. Eier? Sind keine Argumente, werden aber gern als Ersatz dafür genommen. Also hat ein hoher SPD-Mann, der ungenannt bleiben will, durchblicken lassen, dass man in diesem Jahr darauf verzichte, Eier zu verteilen, um nicht damit beworfen zu werden. Sozialdemokraten! Wäre der Wedding jemals rot geworden, wenn die Genossen Angst vor Eiern gehabt hätten? Hoffentlich ist die Spendenaffäre bis Weihnachten überwunden – wir wollen wenigstens unseren Glühwein haben.

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