Zeitung Heute : Eigenheim unterm Apfelbaum

Ob gemütlicher Sitzplatz oder Spielzimmer im Freien: Gartenhäuser verlagern das Leben ins Grüne

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Wo sollen wir’s abstellen? Einige Häuschen kommen fix und fertig, andere in Bausätzen. Wer selbst Hand anlegt, spart Geld. Fotos:...

Auch wenn das Wetter momentan Kapriolen schlägt und der Winter allem Anschein nach nicht enden will: Der Frühling kommt bestimmt, und mit ihm beginnt auch wieder die Gartensaison. Sobald sich die ersten warmen Sonnenstrahlen gegen Schnee und Eis durchgesetzt haben, sprießen Krokusse, Narzissen, Bäume und Sträucher. Spätestens dann zieht es alle ins Freie.

Dabei ist ein geschützter Pavillon oder ein kleines Häuschen der ideale Ort, um das bunte Treiben im Garten zu beobachten. Hier bei einer Tasse Tee zu entspannen und den zwitschernden Vögeln zu lauschen, ist ebenso schön, wie abends an gleicher Stelle mit Freunden ein Glas Wein zu trinken und zu plauschen. Im heimeligen Gartenhaus muss auch keiner an kühlen Abenden frieren – vor allem dann nicht, wenn das Häuschen isoliert ist oder sogar geheizt werden kann. Denn in Sachen Stil und Ausstattung ist die Auswahl an Gartenhäusern groß.

Besonders beliebt sind nach wie vor Holzhäuser, die als Bausatz vormontiert sind und sich mit etwas handwerklichem Geschick leicht aufbauen lassen. Immer wieder gerne genommen werden auch Metallpavillons, die Nostalgie und Romantik ausstrahlen. Ob alpine Blockhütte, schickes Designerhäuschen oder historisches Teehaus: Fast alles ist möglich, wobei Individualität heute hoch im Kurs steht.

So entwickelte beispielsweise Schreinermeister Clemens Buck das futuristisch wirkende, würfelförmige Gartenhaus „kubus“. „Es verbindet Funktion mit Ästhetik und lässt jede Menge Freiheit in der Gestaltung zu. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom formschönen Geräteschuppen bis zum kultigen Gästehaus“, sagt Buck, der für den quadratischen Hingucker gleich ein Pflanzset für die Dachbegrünung mitliefert. Angeboten wird „kubus“ dabei in zwei Varianten: entweder als Funktionsraum oder als Wohnraum mit Isolierung und Elektroheizung. „Über Größe, Nutzung, Fassade und Farbe entscheidet der Kunde“, so  Buck. Die Größen variierten von 3,5 bis 14,9 Quadratmeter Nutzfläche und erforderten durch die maximale Höhe von 3,5 Meter in der Regel keine Baugenehmigung. Der Abstand zum Nachbargrundstück sollte aber vorher geklärt sein.

Das rät auch Rüdiger Mattis, Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB), und betont, dass je nach Bundesland unterschiedliche Bedingungen gelten. So sind in Berlin laut geltender Bauordnung kleinere Bauprojekte wie Garagen, Carports oder Gartenhäuser ohne aufwendiges Genehmigungsverfahren möglich, sofern die Grundfläche solcher eingeschossigen Gebäude zehn Quadratmeter nicht überschreitet. Auch dürfen sie in den Abstandsstreifen zwischen Wohnhaus und Grundstücksgrenze gebaut werden.

Wer allerdings ein bewohnbares Gartenhaus mit Feuerstelle und Toilette plant, benötigt eine Erlaubnis vom zuständigen Bauamt. Insofern rät Mattis Bauherren grundsätzlich, vor dem Kauf eines Gartenhauses zu klären, welche baurechtlichen Genehmigungen benötigt werden. „Am besten nehmen sich Kaufinteressenten einen Prospekt und gehen direkt zur Behörde“, sagt er. Hausbesitzer sollten den kleinen Bau im Garten nie „schwarz“ aufstellen. „Selbst wenn die Behörde es nicht merkt, die besten Helfer des Bauamts sind unfreundliche Nachbarn. Irgendeiner ruft bestimmt dort an und setzt die Ordnungshüter auf die richtige Fährte. Dann drohen Bußgeld, Abbruchverfügung und teure Nachgenehmigungsverfahren.“

Wer also ein gemütliches Wohnzimmer im Garten oder ein Privathäuschen für seine Gäste errichten will, tut gut daran, vorher alle Details mit Bauamt und Nachbarn zu klären. Das gilt auch für Eltern, die ihren Kindern ein größeres Spielhaus in den Garten stellen möchten. Von der großzügigen Holzburg mit Rutsche, Kletterwand und Schaukel über witzige Stelzenhäuser bis hin zu famosen Luxusvillen im Kleinformat gibt der Markt einiges her. Hier gilt es allerdings nicht nur, die Bauvorschriften einzuhalten, sondern auch auf die verwendeten Materialien zu achten.

Hersteller wie etwa die Münchner Manufaktur My Cosy Cottage stellen Spielhäuser aus heimischen Hölzern her und unterliegen dabei strengen Sicherheitsauflagen. „Verwendet werden ausschließlich massive Kiefern- und Fichtenhölzer – nicht nur für Wände, Dach und Boden, sondern auch für die Fenster, Läden, Sprossen und Blumenkästen“, sagt Geschäftsführerin Jutta Knoke. „Die Lacke sind auf Wasserbasis, für die Fenster kommt Verbund-Sicherheitsglas zum Einsatz.“

Bei einer Grundfläche von rund sieben Quadratmetern und einer Deckenhöhe von 2,50 Meter seien der Fantasie der Kinder beim Einrichten und Spielen kaum Grenzen gesetzt. „Ob Kinderküche, Zwischengeschoss mit Kuschelecke, Essbereich oder Spielecke – innen ist jede Menge Platz für kreative Kids“, so Knoke. Der Hersteller bietet drei Hausmodelle im Stil viktorianischer Cottages an. Wer es individueller mag, lässt sich sein Spielhaus nach Wunsch entwerfen. Vielleicht als Mini-Variante des Elternhauses, das ein paar Meter weiter auf dem Rasen steht?

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