Zeitung Heute : Eigentlich sind sie die Besten

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Nein, ich habe ihn nicht vergessen, gestern, bei meiner Wehmut und dem Abschied von einer großen Generation. Es ist nur so, dass sich Luis Figo noch stemmt gegen die Götterdämmerung. Und er stemmt sich mit Macht dagegen, wie er im Auftaktspiel bewies, als er den angolanischen Gegnern davonrannte. Klappt das wieder, und gegen den Iran heute sollte es klappen, und klappt es weiter, dann ist Portugal zumindest ernst zu nehmen. Sie haben Deco dabei, einen der komplettesten Mittelfeldspieler, den ich mir vorstellen kann, sie haben hinten Carvalho stehen, der grandios die Abwehr zusammenhält. Und dann haben sie natürlich noch Cristiano Ronaldo, der die Zukunft verheißt.

Allein, was heißt das bei Portugal. Ist nicht Portugal seit Jahrzehnten die Mannschaft des Versprechens, die Eigentlich-Mannschaft? Eigentlich ist sie immer brillant besetzt, eigentlich hat sie alle Fähigkeiten, eigentlich ist sie immer für einen Titel gut, eigentlich ist sie Europas Brasilien. Die Wirklichkeit sah stets anders aus, fast tragisch, wie vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft im eigenen Land. Trost war das nicht, dass auch andere gegen Griechenland scheiterten, aber besonders bitter, wenn die Kunst an der Willenskraft zerbricht.

Sie werden heute doch wohl sicher ins Achtelfinale einziehen. Und dann? Dann wartet Argentinien oder die Niederlande oder die Elfenbeinküste. Das schützt jede einzelne Mannschaft vor Hochnäsigkeit, allein, auch dieses Versprechen, nämlich, eigentlich auch gegen die Großen mithalten zu können, hat Portugal selten gehalten. Man wünscht es sich ja, weil sie wunderbare Spieler haben, die in Europas Ligen begeistern. Eigentlich.

Und wenn sich Figo nicht mehr stemmen kann? Wenn die Kraft ausgeht? Dann wird auch er gehen. Mit traurigen Augen.

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