Zeitung Heute : Ein Akt der Nächstenliebe

Ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte, kann man jetzt entscheiden Heute liegen dem Tagesspiegel Organspendeausweise bei

Ingo Bach

Rund 12 000 Menschen warten in Deutschland derzeit dringend auf eine neue Niere, ein neues Herz oder eine neue Leber. Doch es mangelt an Organen, weil es zu wenige Spender gibt. Jeden Tag sterben in Deutschland im Schnitt drei Patienten, weil für sie nicht rechtzeitig das rettende Spenderorgan beschafft werden kann.

Vor diesem Hintergrund unterstützt der Tagesspiegel die jetzt gestartete Kampagne „Fürs Leben. Für Organspende“ der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel steht. Der heutigen Zeitungsausgabe liegt ein Informationsblatt mit drei Organspendeausweisen bei, das in Zusammenarbeit mit der DSO und der Techniker Krankenkasse entstand.

Organspendeausweise sind ein gutes Mittel, bereits zu Lebzeiten zu dokumentieren, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte – und damit auch seine Angehörigen zu entlasten. Der Ausweis bietet auch die Möglichkeit, die Entnahme bestimmter Organe zu untersagen oder aber einer Spende generell zu widersprechen.

Im vergangenen Jahr trugen nur rund sechs Prozent aller Spender ein solches Dokument bei sich. Bei rund 67 Prozent der potenziellen Spender mussten die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden – manchmal eine nicht ganz leichte Wahl, die dann auch noch kurz nach dem Tod eines nahestehenden Menschen getroffen werden muss, da Organe nur wenige Stunden vom Blutkreislauf getrennt sein dürfen.

Welchen Wert ein ausgefüllter Organspendeausweis hat, das wissen auch die Spezialisten in Berliner Kliniken zu schätzen. Ulrich Frei zum Beispiel. Er ist Nierenspezialist und Ärztlicher Direktor der Charité. „Jeder verteilte Organspendeausweis ist ein guter und neuer Anlass, sich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen, was im Falle des eigenen Todes geschehen soll“, sagt Frei. „Ganz häufig löst ein Organspendeausweis, wie er jetzt dem Tagesspiegel beiliegt, ein Gespräch in Familien und im persönlichen Umfeld aus, die zur Mitteilung der eigenen Auffassung führt. Letztere ist ein ganz wichtiger Bezugspunkt für die Gespräche im Falle des Todes eines Angehörigen und damit auch zur Steigerung der Organspende.“

Auch Roland Hetzer, Herzchirurg und Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, in dem im vergangenen Jahr 35 Herzen transplantiert wurden, unterstützt die Aktion. „Die Organspende ist ein hoher Akt der Menschlichkeit und Nächstenliebe“, sagt Hetzer. „Mit ihr lässt sich schweres Leid verhindern und dem Empfänger neues Leben und hohe Lebensqualität schenken. Erklären Sie sich zur Organspende bereit!“

Im vergangenen Jahr konnten bei über 1300 Verstorbenen Organe für eine Transplantation entnommen werden – das sind fast 300 mehr als im Jahr 2002. Rund 4140 Lebern, Nieren, Herzen oder Lungen retteten kranken Menschen das Leben. Doch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist in Deutschland die Spendebereitschaft mittelmäßig. Hierzulande gibt es 16 Spender pro einer Millionen Einwohner; in Belgien sind es 28 und in Spanien 34.

Umfragen zufolge würden fast 70 Prozent der Deutschen einer Entnahme von Organen nach ihrem Tod zustimmen – aber nur 14 Prozent besitzen einen Organspenderausweis, der das auch dokumentiert. Es gibt also noch reichlich Aufklärungsbedarf. Ingo Bach

Unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 / 90 40 90 informieren die DSO und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über die Organspende (Montag bis Donnerstag 9 bis 18 Uhr und Freitag 9 bis 16 Uhr). Informationen gibt es auch im Internet unter www.dso.de.

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