Ein Appell, viel Unterstützung : Gegen die Kriminalisierung von Wikileaks

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

So steht es in Artikel 19 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen“. Unter diesem Leitspruch haben deutsche Medien, darunter der Tagesspiegel, am Donnerstag einen Appell gegen die Kriminalisierung der Enthüllungsplattform Wikileaks gestartet. Die Angriffe gegen Wikileaks, heißt es in dem Appell, „sind Angriffe auf ein journalistisches Medium als Reaktion auf seine Veröffentlichungen. Man kann diese Veröffentlichungen mit gutem Grund kritisieren, ebenso die mangelnde Transparenz, welche die Arbeit der Plattform kennzeichnet. Aber hier geht es um Grundsätzliches: die Zensur eines Mediums durch staatliche oder private Stellen. Und dagegen wenden wir uns.“

Rund zweihundert Organisationen und Privatpersonen haben sich dem Appell allein auf der Online-Seite des Tagesspiegels am Donnerstag bereits angeschlossen. Viele Hundert kamen im Laufe des Tages auf anderen Plattformen hinzu. In unserem Online-Forum haben Leserinnen und Leser den Appell mit viel Leidenschaft kommentiert und diskutiert.

Mehr als 225 Kommentare wurden geschrieben. Der Zuspruch überwiegt deutlich, aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen, die uns wie immer in unserem Online-Forum genauso willkommen sind.

„Die Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften“, heißt es weiter in dem Appell. „Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien. Längst hätte es einen weltweiten Aufschrei gegeben, wenn die USA ein Spionageverfahren gegen die ,New York Times‘, einen finanziellen Kreuzzug gegen den ,Spiegel‘ oder einen Angriff auf die Server des ,Guardian‘ führen würden.“

Der Tagesspiegel schließt sich keinen Kampagnen an und betreibt auch keine Kampagnen. Weil hier aber die Pressefreiheit – gern verwenden wir den klassischen Begriff – auf dem Spiel steht, unterstützen wir diesen Appell. (Tsp)

Wenn Sie sich dem Appell anschließen wollen, können Sie das hier direkt tun.

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