Zeitung Heute : Ein aufhaltsamer Anstieg

Ulrike Scheffer

Was wird heute wichtig?

Vor genau zehn Jahren hat sich die internationale Staatengemeinschaft in Kairo vorgenommen, das Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2015 zu bremsen. Am heutigen Mittwoch präsentieren die UN mit ihrem Bevölkerungsbericht eine Zwischenbilanz. Fakt ist: Die Weltbevölkerung wächst heute zwar langsamer, doch von einer Umkehr der Entwicklung kann keine Rede sein. In den nächsten 20 Jahren werde die Weltbevölkerung von sechs auf acht Milliarden ansteigen, sagte kürzlich Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. 97,5 Prozent der Menschen lebten dann in Entwicklungs- oder Schwellenländern. Dort wollten zwar viele Paare weniger Kinder, doch fehle es an Verhütungsmitteln, klagte die Direktorin des UN-Bevölkerungsfonds bei einer Fachkonferenz in London. „In Afrika hat ein Mann durchschnittlich Zugang zu drei Kondomen pro Jahr“, sagte Thoraya Ahmed Obaid. Dies führe auch dazu, dass sich Aids dramatisch ausbreite. Einige Experten machten vor der Veröffentlichung des UN-Berichts die USA und die katholische Kirche für den Mangel an Verhütungsmitteln mitverantwortlich. Die US-Regierung und der Vatikan setzten bei ihrer Entwicklungspolitik ganz darauf, Enthaltsamkeit zu propagieren, Sexualaufklärung und künstliche Familienplanung lehnten sie ab, erklärte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Unter dem Einfluss fundamentalistischer Gruppen habe US-Präsident Bush dem UN-Bevölkerungsfonds zum dritten Mal in Folge die Gelder gesperrt. Beifall für ihre Haltung bekommen Washington und der Vatikan dagegen von islamischen Staaten. Die haben zwar nichts gegen Familienplanung, mit der Forderung liberaler Gruppen nach einem sexuellen Selbstbestimmungsrecht für Frauen kann man dort indes wenig anfangen.

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