Zeitung Heute : Ein Berliner erfand das neue Medium - eine Mini-CD und Chipkarte in einem

Kurt Sagatz

Jedes der beiden Medien für sich genommen hat sich schon längst durchgesetzt: Fast jeder PC-Besitzer ist schon einmal in Kontakt mit MiniDiscs gekommen, den etwa halb so großen Vettern der CD-ROMs. Und spätestens seit der Verbreitung der elektronischen Krankenkassen-Chipkarte und den wiederaufladbaren Geldkarten kennt nahezu jeder die scheckkarten-großen intelligenten Datenträger. Doch für die Kombination beider neuer Medien brauchte es anscheinend eines Tüftlers wie Mario Koss, dessen Erfindung der nicht-runden CDs vor allem als Marketing-Gag millionenfach Verbreitung fand.

Zündende Idee

Während der Berliner Koss bei der Shape-CD zwar die zündende Idee, aber nicht gerade das rechte Vermarktungsgeschick hatte, setzt der Tüftler von der Spree nun auf den Erfolg mit der ChipDisc als moderner Form der intelligenten Visitenkarte.

Dabei kommt der neuen MiniDisc die Rolle als Träger für den Mikrochip zu. Und damit die sonst eigentlich runden CDs mit dem winzigen implantierten Chip in die entsprechenden Lesegeräte passen, wurden zwei Seiten der CD kurzerhand auf das dafür richtige Format begradigt. Die nötige Erfahrung dazu hat Koss schließlich noch von seinen nicht-runden CDs. So präpariert passen die ChipDiscs genauso in jedes herkömmliche CD-Laufwerk wie auch in die Chipkarten-Lesegeräte.

Wo sonst allerorten von Synergien geredet wird, soll das neue Digital-Medium nun wirklich zusätzlichen Nutzen bringen. So könnte der Mikrochip zum Beispiel zur Zugangskontrolle am Firmeneingang oder auch in den vielen sensiblen Bereichen des Internets dienen. Auch der Einsatz als wiederaufladbare Telefonkarte ist denkbar. Und auf der 30 Megabyte großen CD-ROM würden dann gleich noch die passenden Telefontarife, Vorwahlen, Auskunfsdienste oder Servicenummern gespeichert.

Britisches Transportwesen

Ein anderes Einsatzbeispiel wären die Geschäftsberichte großer Konzerne, wie sie bei den Aktionärsversammlungen verteilt werden. Die gedruckten Informationen werden digital auf der CD abgelegt und danach um multimediale Präsentationen erweitert. Zugleich könnten auf der interaktiven Chipkarte aktuelle Internet-Links oder auch noch andere veränderbare Informationen gespeichert werden.

So vielversprechend die Idee auch erscheint, bei der Frage nach Pilotanwendungen kann Mario Koss in Berlin, oder gar in Deutschland, noch von keinen schnellen Erfolgen berichten. Erste Erfahrungen hofft der Berliner Tüftler mit dem englischen ChipDisc-Tochterunternehmen zu sammeln. Bei diesem Unternehmen soll das neue Medium in einer Weiterbildungskampagne für das Transportwesen von der britischen Regierung eingesetzt werden. Die ChipDisc soll dabei ein Lernmodul beherbergen, wobei auf der CD die entsprechenden Aufgaben gespeichert und auf der Chipkarte die jeweiligen Ergebnisse festgehalten werden.

Obwohl für das Weiterbildungsprogramm rund 100 000 ChipDiscs produziert werden sollen, dürfte der Erfolg für Mario Koss eher in der Promotion als in den Erlösen liegen. Vielleicht wäre das dann - nach der nicht-runden CD - endlich der Durchbruch für den Berliner Erfinder.Weitere Information im Internet unter: www.chipdisc.com

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