Zeitung Heute : Ein Besessener

Der Tagesspiegel

„Vorsicht Friedman“ wird Isaak Behar gedacht haben, als ihm der Ullstein-Verlag vorschlug, der Talk-Master solle seine soeben erschienen Lebenserinnerungen vorstellen. „Er wird mich auseinander nehmen, ich weiß es“, fürchtete der Autor seiner eigenen Überlebensgeschichte als „U-Boot“ in Berlin 1942 bis 1945. Tatsächlich hat Michel Friedman den alten Herrn am Mittwochabend im Crown Placa Hotel vor dem Buch-Premierenpublikum beschimpft: „Ein Verrückter, ein Besessener“ sei dieser Mann, der als 19-Jähriger für drei Jahre in den Untergrund ging, nachdem seine gesamte Familie deportiert worden war. „Ein verrückter besessener Idealist, der glaubt, jeder könne zu jeder Zeit die Welt verändern“, so erklärte Friedman den Mut des Jungen Isaak, diese schreckliche Zeit nicht nur zu überleben, sondern sich sogar zu verlieben. Und das unerschütterliche Vertrauen in die Menschen, die ihn versteckten, bewies, dass der zu oft gehörte Satz nicht stimmt: „Was hätten wir denn tun können...“ So ließ Behar sich die gewohnt eindringlichen Worte des Fernsehstars gefallen. Interviewt wurde er dann von einem lieben Kollegen Friedmans, dem Fernseh-Moderator des Bayerischen Rundfunks, Michael Harles. Der teilte die allgemeine Begeisterung für Behars ebenso berührende wie spannende Biographie. Im Publikum saß ein professioneller Schriftsteller-Kollege: „Kein Geschwafel, keine Betroffenheitsliteratur“, lobte Rafael Seligmann herzhaft. Das freute natürlich wiederum Behars Ullstein-Lektorin, Elisabeth Seligmann, die Frau des Romanciers. -ry

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