Zeitung Heute : Ein Bombengeschäft

Wie Russland und Iran bei der Kerntechnik kooperieren

Elke Windisch[Moskau]

Am Montag könnte es eng werden. Für Teheran aber auch für Moskau. Wenn sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEO mit dem Kernforschungsprogramm der Islamischen Republik befasst, steht auch das Thema Sanktionen im Raum. Automatisch droht auch Moskau Ungemach: Denn Russland unterstützt Iran bei der Fertigstellung des Kernkraftwerks in Buschehr, dass deutsche Unternehmen noch zu Zeiten des Schahs begonnen hatten. Das Projekt, das rund 800 Millionen Dollar in Moskauer Kassen spülen soll, sieht zehnjährige Lieferungen von russischem Kernbrennstäben vor, die 2005 beginnen sollen. Weitere Millionen bringt die Ausbildung von Ingenieuren und anderen Spezialisten. Über hundert drücken bereits die Schulbank in Russland, weitere 700 sollen bis zum Betriebsbeginn 2005 folgen. Außerdem unterzeichneten beide Staaten im vorvergangenen Sommer ein Wirtschaftsabkommen, das den Bau weiterer fünf Kernkraftwerke sowie umfangreiche Lieferungen russischer Kriegstechnik vorsieht. Allein sie erreichen ein Jahresvolumen von rund 300 Millionen Dollar.

Beides stößt in Washington auf harsche Kritik. Zwar steht Moskaus Zusammenarbeit mit dem Mullah-Regime unter IAEO-Aufsicht. Doch die USA beschuldigten die Russen mehrfach, damit den Atomwaffensperrvertrag zu unterlaufen und verhängten schon 1999 Sanktionen gegen russische Unternehmen. Der russische Präsident Wladimir Putin selbst und Atomminister Alexander Rumjanzew waren daher schon im Vorfeld der Tagung bemüht, neues Unheil abzuwenden, verstrickten sich dabei jedoch in Widersprüche und sorgten so nur für neue Irritationen.

Zwar verkündete Putin nach der Begegnung mit US-Präsident George W. Bush beim Jubiläumsgipfel in St. Petersburg, beider Positionen zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen seien sich „näher, als es den Anschein hat“. Und der britische Premier Tony Blair zitierte den Kreml-Chef nach dem G-8-Gipfel in Evian mit den Worten, Russland werde alle Exporte stoppen, bis Iran sich gegenüber den Inspekteuren kooperationswilliger zeigt. Die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna dementierte jedoch postwendend: Der Brite sei einem Übersetzungsfehler aufgesessen und interpretiere Putin falsch. Da könnte etwas dran sein: Wieder in Moskau, warnte Putin, durch den Sperrvertrag dürften Moskau keine Wettbewerbsnachteile entstehen.

Zu allem Überfluss nährte jetzt auch noch die regierungsnahe „Iswestija“ Zweifel an den rein friedlichen Zielen der iranischen Kernforschung: Allein im Zeitraum von März bis Mai, so das Moskauer Blatt, sei Teheran in Nordkorea dreimal wegen kerntechnischer Zusammenarbeit vorstellig geworden. Bei den Geheimverhandlungen sei es sowohl um Strategien beim Umgang mit den IAEO-Inspekteuren als auch um Kooperation für die jeweiligen Kernwaffenprogramme gegangen. Dabei soll Pjöngjang von Teheran konkrete Forschungsaufträge nebst Zusicherungen für die Finanzierung erhalten haben. Die Zusammenarbeit hat bereits Mitte der 90er Jahre funktioniert. Damals kaufte das Mullah-Regime das Know-how der No-Dong-Rakete, auf deren Grundlage Iran seine Schahab-Rakete entwickelte, die nach Meinung von Experten bis Israel fliegen kann,

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