Zeitung Heute : Ein Ei für die Dame

Der Tagesspiegel

Von Christian Domnitz

Im Ei steckt eine Friedenstaube, gearbeitet aus einem weißen Opal. Sie ist ein besonderes Osterküken. Die Flügel sind ausgebreitet - gleich könnte sie losfliegen.

Das „Friedens-Ei“ - zu sehen beim Juwelier Lorenz in der Friedenauer Rheinstraße 59 - gehört zu einer Serie weltberühmter Ostereier. Die russischen Zaren schenkten seit 1884 jedes Jahr zu Ostern ihren Zarinnen ein Ei, gefertigt in den St. Petersburger Fabergé-Juwelierwerkstätten. Jedes Fabergé-Ei hatte ein Motto. Es gab ein Ei zur Eröffnung der Transsibirischen Eisenbahn und ein Ei zur Krönung von Nikolaus II. Die bunt glänzenden Stücke beschreiben anschaulich eine Geschichte des vorrevolutionären russischen Reiches. Das letzte Ei allerdings muss widerlich ausgesehen haben. Es war ein Kriegs-Ei, gefertigt aus Stahl, und soll auf modellierten Granathülsen gestanden haben. Es war das letzte Osterei für die Zarin. Im Jahr darauf kamen zwei Revolutionen, im Februar eine kleine und im Oktober die große. Vom Fabergé-Friedens-Ei aus den Mohr-Werkstätten in Pforzheim gibt es insgesamt 100 Stück. Die erste Ausfertigung verschenkte die Goldschmiedsfamilie Mohr-Mayer an Michail Gorbatschow, der das Ei dem Kreml-Museum vermachte, wo dessen Vorgänger stehen.

Das Friedens-Ei ist wohl das teuerste in Berlin verfügbare Osterei, es ist knapp 18 000 Euro wert. Sieben Smaragde und sechs Rubine sind eingearbeitet. Feines Goldblech wurde gepresst, bis zwei Eihälften entstanden. Die Oberfläche wurde per Hand graviert. Dann wurden mehrere Schichten aus durchsichtigem Email aufgebracht. Zwei Monate lang arbeiteten zehn Leute an dem neun Zentimeter hohen Ei.

Eier aus Gold – derlei Dinge sind eigentlich überflüssig. Und teuer dazu. Das zusammen macht sie zu etwas Besonderem. In Berlin gibt es noch mehr Oster-Exklusivitäten: Die Schokoladenhandlung Fassbender & Rausch am Gendarmenmarkt bot einen edlen, aber wuchtigen Vier-Kilo-Osterhasen aus Schokolade an.

Das Kanzleramt soll zehn Exemplare der einen halben Meter hohen, bis über beide Ohren grinsenden Hasen gekauft haben, ein Privatmann weitere fünf Exemplare, und die übrigen fünfzehn sind auch schon weg. Jetzt gibt es nur noch einen 30-Zentimeter-Hasen.

Das Kaufhaus des Westens hat etwas Originelles parat: An einem Plüschtier, angeboten in der Spezialabteilung für Ostergeschenke, ließe sich fast etwas Selbstironie in der Philosophie des renommierten Hauses ausmachen. Oder ein Spaß, geknüpft an einige besonders auffällige Vertreter der KaDeWe-Kundschaft: das Kuschel-Huhn für 25 Euro, mit einem dicken Kamm auf dem Kopf, großen runden Moorhuhn-Kulleraugen und einem breiten Schnabel. Doppelt um den Hals gewickelt ist eine Kette dicker Perlen. Und über der breiten Schulter baumelt ein Handtäschchen, auch mit Perlen besetzt. Ein Huhn? Eine lustige Oster-Schnepfe!

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