Zeitung Heute : Ein erfolgreiches Konzept

Das Stilwerk trotzt seit Jahren den Billigmöbelhäusern am Stadtrand. In der Shopping-Nacht soll wieder eine fröhliche Party steigen

Insa Lüdtke

Mit der Maxime „Kooperation statt Konkurrenz“ trotzen die Stilwerk-Häuser in Hamburg, Berlin und Düsseldorf seit Jahren erfolgreich den Billigmöbelhäusern am Stadtrand. Stilwerk verfolgt mit dem Angebot von hochwertigen Möbeln und Accessoires eine gegenläufige Idee im Zentrum der Metropolen: Qualität und Design in Häusern mit architektonischem Anspruch. In diesem Jahr wird das vierte Haus an Stuttgarts Shoppingmeile, der Königstraße, eröffnen, Frankfurt und München sollen bald folgen.

Nach dem „Mutterhaus“, das vor zehn Jahren in der umgenutzten Mälzerei am Hamburger Hafen die Tore aufmachte, folgte 1999 das Stilwerk Berlin mit einem Neubau an der Kantstraße/ Ecke Uhlandstraße. Wie der Bug eines Ozeandampfers ragt die weithin sichtbare nasenförmige Glasfassade auf dem Grundstück der ehemaligen Zentralverwaltung der Dresdner Bank in den Straßenraum hinein. Der Entwurf stammt von dem Berliner Architekturbüro Novotny Mähner & Assoziierte in Kooperation mit dem Mailänder Architekten Studio & Partners. Vier Galerieebenen ordnen sich über dem erhaltenen ehemaligen Banktresor kaskadenartig um das Foyer, die rechteckige „Mall“. Durch das Glasdach fällt Tageslicht bis nach unten in den 780 Quadratmeter großen Innenraum. Über eine gewundene Treppe oder einen der vier gläsernen Aufzüge gelangt der Besucher nach oben in die fünf Obergeschosse und kann an den Geschäften entlang nach unten wandeln.

Der Innenraum strahlt eine gediegene Atmosphäre aus: Natürliche Materialien wie Naturstein und Ahornholz kombiniert mit warmen Farben verkleiden die Oberflächen. Den Begriff „Design“ habe man aber gar nicht so gerne. „Wir wollen kein elitärer Haufen sein“, betont Klaus Gennrich vom Center-Management. „Wir verstehen uns eher als ein Shoppingcenter für Einrichtung und mehr.“ Trotzdem steht das Stilwerk für Kompetenz in Sachen Ambiente und Wohnen. Mit der Trendstudie erschien bereits zum zweiten Mal in Kooperation mit dem Magazin „Home“ und dem Trendbüro in Hamburg ein Ausblick in die Zukunft des Wohnens: Neo-Barock, High-Tech-Jugendstil, Biedermeier-Glam.

Im Berliner Haus versammeln sich auf 20 000 Quadratmetern 59 Einrichtungsgeschäfte und präsentieren über 500 Marken. Von der Esstischlampe über das Ledersofa bis zum Handtuch findet der Kunde praktisch alles rund um das Wohnen. Obwohl es im Haus kaum Fluktuation der Mieter gibt, haben kürzlich wieder ein paar neue Geschäfte eröffnet. „Wir haben unser Spektrum bewusst erweitert“, sagt Gennrich. So hat kürzlich mit „Buch + Raum“ ein Fachgeschäft zum Thema Literatur rund um das Design und Wohnen eröffnet, das passend dazu gleich noch Regalsysteme anbietet. Handgeschmiedete (Küchen-)Messer und weitere Werkzeuge für den Hobbykoch bietet das Geschäft „Holzapfel“ an.

Kleineren Betrieben, deren Kapazitäten einen eigenen Laden mit Personal nicht erlauben, bietet das Stilwerk die „Plattform Design und Handwerk“ im 5. Stock als Präsentationsmöglichkeit an. Das Konzept will damit an die für Berlin typischen Hinter- und Gewerbehöfe anknüpfen. Für die Innenarchitektur zeichnen die Designer Nicola Bramigk und Werner Aisslinger verantwortlich. Sie haben spezielle Module entworfen, die als Ausstellungsfläche dienen sollen.

Neben dem Verkauf von Wohnobjekten ist das Stilwerk Berlin schon etabliert im Kulturkalender der Hauptstadt: „Design Mai“, „Da!“ – die Architekturausstellung der Architektenkammer, „Fotobild“ und der „Jazz-Treff“. Damit will sich das Berliner Haus von denen der anderen Metropolen bewusst abheben. „Das ist unser eigenes Profil“, stellt Kristine Brinckmann vom Center-Management des Hauses fest. Sie ist auch verantwortlich für die Vermietung der Veranstaltungsräume. Neben der „Mall“ kann man auch das rund 300 Quadratmeter große „Forum“ im 5. Stock mieten. „Der tolle Blick über die City-West und die Dachterrasse sind etwas ganz Besonderes und sehr beliebt“, erzählt Brinckmann. Hier können Interessenten Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern und zu geschäftlichen Anlässen Präsentationen oder Ausstellungen veranstalten. Wer den Raum für solche Events nutzen möchte, muss je nach Tageszeit und Dauer mit 700 bis 1600 Euro rechnen.

Auch aus der Ferne kann man das Stilwerk zum Shopping nutzen: Für Hochzeitsgäste bietet das Unternehmen einen virtuellen Hochzeitstisch im Internet an (www.stilwerk.de). „So können Verwandte und Freunde etwa aus dem Ausland komfortabel in den Geschäften des Hauses einkaufen“, erklärt Brinckmann. Die Geschenke werden dem Brautpaar nach Hause geliefert.

An einem regulären Samstag kommen rund 5000 Besucher ins Stilwerk der Hauptstadt. Mit doppelt so vielen Menschen rechnen Gennrich und seine Mitarbeiter sogar bei der Langen Nacht des Shoppings. Er spricht aus langjähriger Erfahrung: „Die Leute wissen schon, dass es im Stilwerk wieder eine gute Party geben wird.“ Das Haus ist fast von Anfang an dabei, schon zum elften Mal nimmt es an dem Shopping-Event teil. Wieder erwartet den Gast ein kulturelles Programm, getragen von Live-Musik: „Wir wollen gemeinsam mit unseren Kunden ein Fest feiern“, freut sich Gennrich, „lasst uns einfach Spaß miteinander haben.“ Ab 18 Uhr werden „Eva Jagun & Band“ Soulmusik, Funk und Dance-Classics präsentieren, ab 22 Uhr spielt „Brooklyn Bridge feat. MizMoni & Troy Afflick“, und kurz nach Mitternacht legt DJ Pete Soul auf. Über die verschiedenen Etagen werden dazu Cocktails, italienische, bayrische und Berliner Spezialitäten geboten. Eine Vernissage findet unter dem Titel „Kamendy trifft Kuhlmey“ im Showroom in der 3. Etage statt: Hier wollen der Künstler Vladimir Kamendy zusammen mit Oliver Kuhlmey die neue Kollektion vorstellen. Wer sich beim Shopping-Marathon schließlich völlig verausgaben sollte, kann sich in der zur Shopping-Nacht neu eröffneten Sauerstoffbar beim Polstermöbelanbieter „Bretz Store Berlin“ in der 3. Etage regenerieren.

Selbst auf dem Weg nach Hause kann sich der Besucher noch von einem Kunstobjekt inspirieren lassen. Der Londoner Kunstprofessor Alf Löhr hat eine 15 Meter hohe goldfarbene Säule entwickelt: Tagsüber dient die umfunktionierte Fassadenbefahranlage der Wartung und Pflege der Außenhaut, nachts leuchtet sie von innen: In verkleinertem Maßstab zeigt sich der Sternenhimmel über Berlin – am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989.

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