Zeitung Heute : Ein Film über den Stand und Missstand der Kinderarbeit in Indien (Kommentar)

Joachim Huber

Kinder ohne Kindheit: Indien. ZDF. Nein, riesige Hoffnung verbreitet Uwe Kröger nicht. In Indien wird die Kinder-Sklaverei auf unabsehbare Zeit fortbestehen. Mädchen und Jungen, von ihren Eltern aus Not an skrupellose Arbeitgeber verkauft, knüpfen Teppiche, arbeiten auf Feldern und im Steinbruch, formen Ziegel, schleifen Diamanten. Es sind sogenannte "Schuldknechte": Kinder müssen die Schulden der Eltern über Jahre abarbeiten, meist ohne eigenen Lohn, ohne irgendeine Chance auf eine Ausbildung.

Uwe Kröger reportiert Missbrauch und Missstand; sein erstes Ziel heißt Information, Unterrichtung der Zuschauer. Er nennt Gründe und Begründungen, ausgehend von seiner Hauptperson, dem 13-Jährigen Teppichknüpfer Bindu Singh, weitet er den Blick aufs generelle Problem. Immerhin, es gibt gegenläufige Initiativen zur Fronarbeit der Minderjährigen.

Da ist die "Rugmark Foundation", die Kinder wie Bindu Singh vom Knüpfstuhl weg- und auf die Schulbank holt. Die Organisation vergibt ein Ethik-Siegel, das Teppiche ausweist als "ohne Kinderarbeit geknüpft". Mancher Kritiker sieht darin in erster Linie einen Marketing-Trick zur Exportförderung, schließlich sei es für die Handvoll Rugmark-Inspektoren unmöglich, Tausende von Knüpfstühlen zu kontrollieren. Aber die Anstrengung bleibt, und es bleibt zu würdigen, dass Rugmark und andere Organisationen Menschen mit Alphabet und Einmaleins eine Zukunft geben. Krögers Film steckt voller Engagement, einem Engagement, das umfassend aufklären will. Es ist Herzensbildung mit dem Verstand.

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