Zeitung Heute : Ein großer Computerfach-Verlag verkauft seine Zeitschriften und baut die Website zdnet.de aus

Dorothee Rothfuss

Beim Verlag Ziff-Davis geht eine Ära zu Ende. Das gedruckte Wort muss elektronisch publizierten Informationen weichen. Der 1927 von William Ziff Senior und Bernhard Davis in den USA gegründete Special-Interest-Verlag zählte bislang zu den führenden Herausgebern von Computerfachtiteln in der Welt. Jetzt hat sich das Unternehmen aus San Francisco von seinen Zeitschriften getrennt, den zuvor separat börsennotierten Online-Geschäftsbereich eingegliedert und sich in ZDNet Inc. umbenannt.

Der radikale Strategiewechsel deutete sich bereits im Juni vergangenen Jahres an. Damals verkündeten die Verantwortlichen beim japanischen Softbank-Konzern, dem Mehrheitseigner von Ziff-Davis, sie würden in Zukunft nur noch in Internet-basierte Firmen investieren. Das Online-Angebot des Verlags rückte in den Mittelpunkt des Interesses. "ZDNet ist eine Top-20-Site in einem der wichtigsten Wachstumsbereiche des Internets", sagte Softbank-Firmengründer Masayoshi Son. Auf den Prüfstand kamen die restlichen fünf der sechs Ziff-Davis-Töchter. Die Zeitschriften der Firmengruppe haben mittlerweile für 1,6 Milliarden Mark den Besitzer gewechselt. Den Zuschlag erhielt die amerikanische Investment-Firma Willis Stein & Partner. Im Paket enthalten sind auch die drei deutschen Magazine "PC Professionell", "PC Direkt" und "Internet Professionell". Sie werden von der Münchner Publishing-Dependance herausgegeben, die den alten Namen Ziff-Davis-Verlag behält.

Als Geschäftsführerin der neuen ZDNet Germany GmbH zeichnet künftig MaryAnn Phillips verantwortlich, die das Online-Angebot www.zdnet.de in den kommenden Monaten inhaltlich stark ausbauen möchte. Bisher bietet ZDNet Nachrichten aus der Computerszene, Produkttests und Specials über Branchenereignisse wie die CeBIT. Die gebürtige Amerikanerin Phillips begann ihre berufliche Laufbahn Mitte der siebziger Jahre in einem kleinen Computerladen in der San Francisco Bay Area. Silicon Valley stand ganz am Anfang und Apple (Phillips: "Steve Jobs war mein Held") brachte gerade den ersten Rechner auf den Markt. 1991 kam die Managerin nach über zehn Jahren in der PC-Industrie zu Ziff-Davis nach München. Zuletzt schmiedete die 43-jährige für ZDNet Deutschland Kooperationen.

Der Grund für den Verkauf der traditionellen Verlags-Geschäftsbereiche sei Phillips zufolge die Fixierung auf die Entwicklung der Aktie, den shareholder value. Aus ihrer Sicht hatte Ziff-Davis wie viele große börsennotierte Unternehmen das Problem, dass Investoren und Analysten die einzelnen Bereiche nicht klar auseinanderhalten konnten. "Die reine Internet-Company hat im Moment einen Wert von 2,5 Milliarden Dollar und ist damit ungefähr so hoch bewertet wie das frühere Gesamtunternehmen Ziff-Davis", sagt Phillips. Mit dem Kapital, das durch die Verkäufe in die Kasse kam, möchte man bei ZDNet auch den internationalen Ausbau vorantreiben.

Bislang ist die Technologie-Website in 21 Ländern vertreten. Weltweit arbeiten 900 Menschen bei der Internet-Firma, davon 28 in Deutschland. Phillips will ihre Mannschaft beinahe verdoppeln "Wir haben fast 20 offene Stellen, überwiegend in der Redaktion", sagt sie, "wir suchen Redakteure, Producer, Webmaster und Techniker". Als Anreiz für die potenziellen Mitarbeiter offeriert die Geschäftsführerin von ZDNet Deutschland Anteile an der neuen Firma. In der Internet-Branche, so Phillips, sei die Beteiligung von Angestellten inzwischen gang und gäbe: "Wenn Sie das nicht anbieten, sind Sie am Arbeitsmarkt schlicht nicht konkurrenzfähig." Nicht alle der bisherigen Ziff-Davis-Firmen hatten Mitarbeiter-Aktien im Programm. Das führte dazu, dass in München Angestellte mit Firmen-Anteilen und solche ohne Tür an Tür saßen. Phillips: "Jetzt kann jedes Unternehmen die Dinge regeln, wie es will." ZDNet und Ziff-Davis, die bislang im gleichen Haus untergebracht sind, verbindet weiterhin eine Kooperation, die zunächst über fünf Jahre läuft. Die Zeitschriften liefern wie gewohnt Online-Inhalte zu und sind so Bestandteil eines der größten Special-Interest-Auftritte in Deutschland.

ZDNet kann auch in Zukunft auf das Know-how des Testlabors zurückgreifen, das seinen Hauptsitz bei San Francisco hat. MaryAnn Phillips hält jetzt wie ihre Kollegen des weltweiten ZDNet-Netzwerks verstärkt Ausschau nach jungen Firmen, die den Auftritt ergänzen können. Sie arbeitet mit Anbietern zusammen, die selbstständig auftreten, an denen ZDNet aber häufig Anteile hält: "Wir sind ein interessanter Partner für viele junge Internet Companies, die ihren Börsenwert mit attraktiven Inhalten steigern wollen." So sollen zum Beispiel IT-Fachleute auf der Suche nach einer neuen Stelle nicht per Link wegspringen, sondern mit Hilfe eines integrierten Job-Anbieters auf der Seite gehalten werden, nach dem Motto "Content is king".

ZDNet behauptete sich im März mit www.zdnet.de als zweitgrößtes deutsches Computerangebot. Der Markt bleibt spannend. Schließlich buhlen seit kurzem auch der Computer Channel von Gruner + Jahr ( www.computerchannel.de ) und der TecChannel von IDG ( www.tecchannel.de ) um die Gunst der an Technik interessierten Websurfer.

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