Zeitung Heute : Ein guter Jahrgang

Das Abitur 2006 im Vergleich zu den Vorjahren: weniger Durchfaller, mehr Einsen, besserer Notendurchschnitt

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Von Susanne Vieth-Entus An diesen Abi-Jahrgang wird Berlin noch lange denken: Soweit bekannt, gab es nie zuvor so viele Schüler mit einem Schnitt von 1,0 oder 1,1: Genau 90 Absolventen schafften dieses schier unglaublich gute Ergebnis. Aber noch in anderer Hinsicht war das Abi 2006 etwas Besonderes: Es war das letzte „normale“ Abitur mit eigenen Klausuren für jede Schule und jeden Kurs. Ab 2007 müssen alle Abiturienten zwischen Heiligensee und Hellersdorf identische Aufgaben lösen. Was dabei herauskommen wird, ist noch völlig offen.

Nichts mehr offen ist hingegen der Ausgang des „Abiturs 2006“. Die Statistiker haben die Ergebnisse aller 14 561 Prüflinge untersucht und herausgefunden, dass dies in vielerlei Hinsicht ein guter Jahrgang war. Nicht nur die Zahl der Einserschüler ist rekordverdächtig, vielmehr war auch der berlinweite Schnitt besser als in der vergangenen Jahren: Er lag bei 2,6 statt wie üblich bei 2,7.

Am erfreulichsten ist aber, dass der Anteil der Abiturienten, die das Ziel verfehlen, von Jahr zu Jahr sinkt. Während er noch vor einigen Jahren bei über zehn Prozent lag, ist er inzwischen bei 7,5 angekommen. Dies entspricht 1099 Schülern, die sich jetzt überlegen müssen, ob sie ohne Abi in die Ausbildung gehen, oder noch ein Jahr dranhängen und dann in zwölf Monaten erleben dürfen, wie sich ein Zentralabitur von einem herkömmlichen unterscheidet. Schwer zu sagen, warum dieser Jahrgang etwas besser war. Eingeschult wurde er 1993. Da hatte Berlin den auch bildungspolitischen Nach-Wende-Umbruch noch längst nicht weggesteckt. Es ging dann auch nicht so richtig bergauf, weil bereits die Sparzwänge begannen: Es wurde so viel Unterricht gestrichen, dass den Berliner Schülern unterm Strich ein ganzes Schuljahr abhanden kam. Erst der Pisa-Schock im Jahr 2000 setzte dem Unterichtsschwund ein Ende. Aber so richtig besser wurde es dann immer noch nicht, weil der Senat weiter sparte – nur nicht mehr beim Unterricht, sondern bei den Lehrern, deren Stundensoll derart hochgeschraubt wurde, dass die Stimmung in den Lehrerzimern auf den Nullpunkt sank. Parallel wurde das Geld für die Schulbausanierung immer knapper.

Dennoch wehte frischer Wind nicht nur durch undichte Fenster und Dächer, sondern auch durch den Unterricht: Viele reformfreudige Kollegien machten sich daran, ihre Methoden umzukrempeln. Vielleicht hat das dem Jahrgang 2006 gut getan. Vielleicht haben auch zwei zentrale Pisa-Lehren motivierend gewirkt, wonach erstens in Deutschland noch immer nicht zu viel, sondern zu wenig Schüler Abitur machen und wonach es kaum etwas bringt, Schüler sitzen zu lassen. Also: Freut Euch!

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