Zeitung Heute : Ein gutes Konzept gehört zum Startkapital

Die Berliner Volksbank gibt Gründern mit kleinem Geldbeutel finanziellen Rückenwind

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Der Gründungsboom der letzten Jahre kühlt ab. Die Zahl der Neugründungen in Deutschland war 2005 erstmals seit Jahren rückläufig, meldet Creditreform. 910 500 Gewerbe wurden angemeldet, rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Parallel stieg die Zahl der Unternehmenslöschungen auf 694 900, das bedeutet eine Steigerung um 2,6 Prozent. Unter dem Strich sinkt die Zuwachsrate um fast ein Viertel.

Was ist los mit unserem Unternehmernachwuchs? Rutscht Deutschland in eine gefährliche Gründerkrise oder nur in eine harmlose Statistik-Delle?

Tatsache ist, dass die Quote der Selbstständigen in Deutschland dem europäischen Standard noch immer hinterher hinkt. Mit nur elf Prozent liegt sie um rund ein Fünftel unter dem Durchschnittswert für das restliche Europa – trotz Rückenwind durch zahllose Firmengründungen von Arbeitslosen mit arbeitsmarktpolitischer Förderung in den letzten drei Jahren. Im Boomjahr 2004 waren es bundesweit immerhin mehr als 350 000. Viele dieser Gründungen sind indes lediglich auf die Existenzsicherung einer Person ausgelegt, zusätzliche Arbeitsplätze sind nicht vorgesehen und werden auch nicht geschaffen. Ungeachtet dieser Einschränkung konnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) jüngst Erfreuliches vermelden: Erste Ergebnisse einer Effizienzanalyse der beiden Förderprogramme für gründungswillige Arbeitslose belegen, dass mit Hilfe dieser staatlichen Förderung ein Rückfall vieler Gründer in die Arbeitslosigkeit verhindert werden konnte.

Die Gründertypen unterscheiden sich laut den Untersuchungen nicht durch das gewählte Förderprogramm, sondern eher nach Geschlecht und geographischer Herkunft – Ost oder West. Von den Banken bereits seit Jahren registriert, und durch das DIW jetzt belegt: Ein markanter Unterschied zwischen beiden geförderten Gründungsarten ist die Höhe des jeweils benötigten Startkapitals. Nur die Hälfte der Gründer mit Existenzgründerzuschuss brauchte eine zusätzliche Finanzspritze. Bei den Gründern mit Überbrückungsgeld waren es hingegen zwischen 60 und 70 Prozent. Besonders häufig gehen Ich-AG-Frauen in Westdeutschland ohne Startkapital in die Gründung, nämlich 58 Prozent – bei ostdeutschen Ich-AG-Frauen sind es 52 Prozent. Die Hälfte der Überbrückungsgeldempfänger hingegen startet mit mindestens 5 000 Euro Kapital. Unternehmensgründungen ohne Startkapital gelten als Indiz dafür, dass lediglich die Existenz einer Person gesichert werden soll. Laut DIW sind 90 Prozent aller durch Gründungszuschuss geförderten Ich-AG nach wie vor Ein-Personen-Firmen. Dagegen haben rund 30 Prozent der durch Überbrückungsgeld geförderten Männer und 22 Prozent der Frauen mindestens einen Mitarbeiter.

Die Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg unterscheidet in ihrem aktuellen Gründerindex folglich auch zwischen echten Betriebsgründungen und arbeitsmarktpolitisch geförderten Gründungen. Auch sie verzeichnet für Berlin einen Rückgang des Gründergeschehens. Die Bank sieht darin eine Rückkehr zur Normalität, ausgelöst durch eine deutlich restriktivere arbeitsmarktpolitische Gründungsförderung. Den Gründungs-Hype im Jahr 2004 führt die Bank vorwiegend auf arbeitsmarktpolitisch geförderte Kleingewerbegründungen zurück. Bei der Zahl echter Betriebsgründungen registriert das regionale Förderinstitut in den ersten sechs Monaten 2005 eine geringere, jedoch konstante Entwicklung. Gezählt wurden 18 Betriebsgründungen je 10 000 Einwohner; der Bundesdurchschnitt lag im gleichen Zeitraum bei 15.

Die deutsche Wirtschaft benötigt beides: Einerseits Gründungen durch Innovationen, durch Forschung und Entwicklung. Denn damit entstehen neue Produkte und vor allem neue Produktionsverfahren. Diese umzusetzen, bedarf es zusätzlichen Personals und Investitionen. Aus diesen Gründungen entstehen Wachstumsimpulse für die Volkswirtschaft. Andererseits werden auch arbeitsmarktpolitisch geförderte Gründungen gebraucht – vor allem im Dienstleistungssektor.

Werden beide Gründungsarten gleichermaßen respektiert und mit gesellschaftlicher Achtung und wirtschaftspolitischer Förderung begleitet, hat der Unternehmernachwuchs hierzulande eine gute Perspektive. Die Berliner Volksbank ist seit vielen Jahren einer der Marktführer bei Gründungsfinanzierungen in Berlin und Brandenburg. Sie begleitet Gründer mit kleinem Startkapital auch dann, wenn größere Investitionen nötig werden. Vor Illusionen sei indes gewarnt. Eine Anschubfinanzierung kann helfen – wenn das Geschäftskonzept und die Unternehmerpersönlichkeit zusammenpassen. Gemeinsam entscheiden sie über den Erfolg der Gründung.

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