Zeitung Heute : Ein Gutschein für die Bildung

Wie der Antragsteller einen Qualifizierungsscheck bekommt

Regina-C. Henkel

Arbeitslose können seit knapp eineinhalb Jahren bei ihrer zuständigen Arbeitsagentur einen Bildungsgutschein beantragen. Stimmt der Berater der Behörde dem Antrag zu und stellt einen Qualifizierungsscheck aus, bedeutet das für den Weiterbildungswilligen eine rechtsverbindliche Förderzusage für eine „gezielte berufliche Weiterbildung“. Eine feine Sache – für alle Beteiligten. Frühzeitige Weiterbildung kann die Dauer der Arbeitslosigkeit erheblich verkürzen. Vom Bildungsgutschein profitiert also außer dem Jobsuchenden auch der Steuerzahler. Vorausgesetzt allerdings, der Antragsteller bekommt den Bildungsgutschein bewilligt. Dafür müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, etwa:

Versicherungspflichtige Beschäftigung über mindestens zwölf Monate innerhalb der zurückliegenden drei Jahre.

Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe, man muss arbeitslos gemeldet, von Arbeitslosigkeit bedroht oder ungelernt sein.

Die angestrebte Weiterbildung muss der Eingliederung in den Arbeitsmarkt dienen.

Der Antragsteller muss eine Beratung bei der Arbeitsagentur absolviert haben.

Um den Bildungsgutschein bewilligen zu können, braucht der Arbeitsberater den Nachweis über beispielsweise:

Bisherige Bewerbungsbemühungen.

Die Arbeitsmarktrelevanz des Weiterbildungsvorhabens, also die Berufschancen im Anschluss an die angestrebte Weiterbildung ( Stellenangebote, einschlägige Studien).

Kursdaten zur angestrebten Weiterbildung und den gewählten Bildungsträger.

Dieser muss nämlich amtlich zugelassen sein. Und hier soll sich ab 1. Juli Entscheidendes ändern: Mit dem Zweiten Gesetz für moderne Dienstleistungen wurde nämlich das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) zum Erlass einer Verordnung ermächtigt, durch die die Zulassung von Bildungsträgern und Kursen auf „privatwirtschaftlich organisierte fachkundige Stellen“ übergeht. Nach Einschätzung von Martina Barton-Ziemann von der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die „Anerkennungs- und Zulassungsverordnung – Weiterbildung“ (AZWV) voraussichtlich im Juni in Kraft treten und so „der Weg geöffnet für ein zweistufiges Qualitätssicherungsverfahren analog den in der Wirtschaft weit verbreiteten Akkreditierungs- und Zertifizierungsverfahren“. Doch es sei davon auszugehen, dass die Umsetzung „noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird“ und die Zulassung von Bildungsträgern und Kursangeboten bis Ende 2005 weiterhin bei den Arbeitsagenturen liegt.

Seit Januar 2003 wurden 300 000 Qualifizierungsschecks ausgestellt. Einen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein gibt es übrigens nicht. Bei der Förderung handelt es sich um eine Kannleistung. Da die Zentrale der BA für 2004 mit ihren Regionaldirektionen Einsparungen von 550 Millionen Euro vereinbart hat, wird die Zahl der Gutscheinbewilligungen wohl eher zurückgehen. Die Kosten, einen Erwerbslosen über Weiterbildung in Arbeit zu bringen, betragen nämlich 11 000 bis 13 000 Euro. Antragsteller, die auf Übernahme der Weiterbildungskosten und auf Unterhaltsgeld in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes oder der Arbeitslosenhilfe hoffen, sollten also unbedingt alle Unterlagen parat haben. BA-Chef Weise sagt klipp und klar: „Bildung ist hier kein Selbstzweck, sie soll die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen.“ Luzie Breitenkamp vom Berliner Institut Plan B leitet daraus - nicht ganz uneigennützigen – Tipp ab: „Lösen Sie Ihren Gutschein bei einem Bildungsträger ein, der die amtlich geforderte 70 Prozent-Vermittlungsquote seiner Absolventen nicht nur auf dem Papier verspricht, sondern durch Kooperation mit Arbeitgebern tatsächlich erreicht.“

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