Zeitung Heute : Ein Hauch von Fernost

Sai So heißt Zusammenfügen – und so finden alte Kimonostoffe wieder eine edle Verwendung

Susanna Nieder

Sai So ist die Art von Label, von der man immer glaubt, es könne nicht aus Berlin kommen: exklusiv, luxuriös und international nachgefragt. Edelkaufhäuser in New York und Sydney, Zürich und Amsterdam führen Sai So; Harrod’s in London widmet dem Label derzeit eine ganze Ausstellung.Und doch entsteht alles, was der Österreicher Martin Brem unter dem Namen Sai So anbietet, hier. Büro, Atelier und Geschäft befinden sich noch nicht einmal in einer feinen Gegend. Von der Torstraße aus vertreibt Brem seine Damenkollektionen, die in den knapp drei Jahren seit der Gründung des Labels zu begehrten Objekten geworden sind.

Tatsächlich besitzen die Kollektionen von Sai So eine Ausstrahlung, wie sie nur die wenigsten Kleider haben. Das hängt vor allem mit dem umwerfend schönen Material zusammen, denn Jacken und Röcke, Kleider und Mäntel sind aus antiker Kimonoseide. „Zusammenfügen“ bedeutet der japanische Begriff „sai so“: Brem lässt Kimonos auseinandernehmen und zu neuen Kleidern oder Gegenständen zusammensetzen. Da Kimonos für Hochzeiten und andere Zeremonien in Handarbeit gefertigt werden, ist der Stoff unverwechselbar; jedes Stück, das daraus hergestellt wird, ob Kleidungsstück, Täschchen oder Lampe, ist automatisch ein Unikat.

Da solche Kimonos nur ein Mal getragen werden, sind die Stoffe in gutem Zustand. 1000 Stück erbte Brem von seiner 2001 verstorbenen Frau, die meisten davon aus den dreißiger bis fünfziger Jahren. Aufgrund der Nachfrage kauft er mittlerweile weitere dazu. Außerdem hat er begonnen, in Italien eigene Stoffe weben zu lassen. Das antike Material wird er in Zukunft nur noch für eine Haute Couture Kollektion verwenden.

Die Damenkollektionen für Sai So entwirft seit kurzem Andreas Jeenicke, der drei Jahre lang als Head-Designer bei Strenesse gearbeitet hat. Die Schnitte sind festgelegt, doch wie die einzelnen Stücke ausfallen, hängt immer von den vorhandenen Stoffen ab. Den auffälligen bodenlangen Mantel, der aus einem weiß-rot-goldenen Theaterkimono zusammengesetzt wurde, kann es eben nur ein Mal geben.

Andere Kleidungsstücke sind aus matt glänzenden, in sich gemusterten schwarzen oder weißen Stoffen. Dazwischen liegt ein ganzer Farbencode. Rot, Violett, Blau, Erdfarben, Pastell sind die Farbtöne, die Brem in unterschiedlichen Mustern anbieten kann; unter der Bezeichnung „Concubine“ hat er bunte, auffällige Muster versammelt. Genau den Stoff, aus dem das Stück sein soll, kann aber nur auswählen, wer in den Laden kommt; Fernbesteller müssen sich überraschen lassen.

Neu sind diese Saison pelzbesetzte Accessoires wie Kropfbänder und Schnüre mit Pelzbesatz. Einiges Neue hat Sai So auch im Bereich der Heimtextilien zu bieten. Neben schlichten, eckigen Lampen, die im Farbton des jeweiligen Stoffs schimmern, stellt Martin Brem am kommenden Sonntag die erste, handgedruckte Tapetenkollektion mit 24 Mustervariationen vor, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Ulrich Welter von „Wandunikate“ entstanden ist.

Bei dieser Gelegenheit sind alle, die Sai So näher kennenlernen wollen, eingeladen die Kleider und Gegenstände mit Muße zu betrachten. Damit sich die Mitarbeiter Zeit nehmen können, ist eine vorherige Anmeldung erbeten; man kann aber auch einfach so vorbeischauen. Natürlich haben Stücke wie die von Sai So ihren Preis; an diesem Tag werden jedoch Reduktionen angeboten.

Sonntag, 28.11., 14-20 Uhr, Torstraße 140 (Mitte), Anmeldung unter showroom@sai-so.com oder 28 88 45 68.

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