Zeitung Heute : Ein Herz für Kinder

Die Berlin Heart GmbH ist mit ihrem innovativen Kunstorgan Marktführer in Europa – eine Chance nicht nur für Erwachsene

Annette Leyssner
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David Heerde

Wir sind ihn gewohnt, den Schlag des Herzens, der das Blut durch den Körper schickt. Es kann aber sein, dass kein Puls zu spüren ist – und doch lebt der Mensch. Zum Beispiel, wenn einem Patienten ein „mechanisches Herzunterstützungssystem“ implantiert wurde. Die Firma Berlin Heart fertigt solche Kunstorgane. Ihr System verteilt das Blut kontinuierlich und nicht stoßweise. „Darum haben die Patienten keinen Pulsschlag mehr. Sie können mehrere Jahre überleben, bis sich ihr eigenes Herz erholt oder ein Spenderorgan gefunden wird“, sagt Geschäftsführer Johannes Müller.

Müller hat in Berlin Elektrotechnik und Medizin studiert, danach arbeitete er fast 20 Jahre lang am Deutschen Herzzentrum. Mit Kollegen hat der Arzt ein Herzunterstützungssystem namens Incor entwickelt und die Firma 1996 gegründet. An zwei Betriebsstätten in Lankwitz und in Wedding beschäftigt die Berlin Heart GmbH mittlerweile 220 Mitarbeiter. Außerdem hat die Firma eine Niederlassung in Texas, wo weitere 15 Mitarbeiter beschäftigt sind. Sie gehört zu den drei weltweit führenden Medizintechnikunternehmen auf dem Gebiet der Herzunterstützung.

Für medizintechnische Firmen bietet Berlin einen unschlagbaren Standortvorteil: 67 Kliniken, 17 700 Ärzte, vier Universitäten, sieben Fachhochschulen, 70 Forschungseinrichtungen – nirgendwo in Europa konzentrieren sich so viele wissenschaftliche Standorte. Die Berlin Heart GmbH hat ihren Ursprung im Deutschen Herzzentrum. Das an der FU entwickelte System Excor wurde dort erstmals eingesetzt. Es ahmt mit Luftdruck das Schlagen des Herzens nach. Das zweite Produkt der Berlin Heart ist Incor, das unterhalb des Herzens implantiert wird. Ein Propeller rotiert mit 7000 Umdrehungen pro Minute und erzeugt einen kontinuierlichen Blutstrom. Seit der ersten Implantation 2002 gehört der Einsatz der Geräte in Kliniken weltweit zur Routine. Bis heute wurden 500 implantiert.

Das besondere Augenmerk der Berlin Heart gilt jungen Patienten. „Kinder sind ja nicht einfach kleine Erwachsene“, sagt Müller. Es genüge nicht, Miniaturen bestehender Kunstherzen zu fertigen, sondern spezielle Systeme für Kinder und Säuglinge. Müller zeigt einen Bericht, darauf ist das Foto eines lachenden Kleinkindes an der Hand eines Pflegers zu sehen. Die einjährige Elisabeth lebte weltweit am längsten mit dem von Berlin Heart entwickelten System für Kinder. 452 Tage wurde ihr eigenes Herz unterstützt, im April stand ein Spenderherz zur Verfügung und wurde erfolgreich transplantiert. Ein Mangel an Spenderorganen führt dazu, dass die Nachfrage nach den Produkten der Berlin Heart wächst. Allein in Deutschland stehen zur Zeit 873 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation, im vergangenen Jahr gab es laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation 382 solcher Eingriffe. Die Zuwachsraten bei Berlin Heart lägen seit der Gründung jedes Jahr im zweistelligen Bereich, der jährliche Umsatz bewege sich zwischen 20 und 30 Millionen Euro, sagt Müller.

Derzeit konzentriert sich der Geschäftsführer auf den Einstieg in den amerikanischen Markt. Dort laufen klinische Studien, schon jetzt werden mit Ausnahmegenehmigungen Excor-Systeme bei Kindern implantiert. In Zeitungsberichten sprechen dankbare Eltern einfach von „the Berlin“, wenn sie über das System reden, dem ihre Kinder ihr Leben verdanken. Die Forscher in Lankwitz wollen mehr: eines Tages eine dauerhafte Alternative zur Transplantation bieten.

www.berlinheart.com

Patienten können mit unserem Kunstherz mehrere Jahre

überleben, bis sich ihr eigenes erholt oder ein Spenderorgan gefunden wird. Der Mangel an Spenderherzen brachte unserer Firma seit der Gründung jährlich Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.“

Johannes Müller, Geschäftsführer der Berlin Heart GmbH in Lankwitz

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