Zeitung Heute : Ein Jahr älter als Madonna, aber um einige Grade hotter

BAR JEDER VERNUNFT Gayle Tufts erzählt in ihrer neuen Show „Some like it heiß!“ von Hormonen, Hitzewallungen und neuen Herausforderungen.

Auch ihr Pianist Marian Lux, mit dem sie neue Songs für die Show „Some like it heiß!“ geschrieben hat, ist beeindruckt von ihrem Elan.
Auch ihr Pianist Marian Lux, mit dem sie neue Songs für die Show „Some like it heiß!“ geschrieben hat, ist beeindruckt von ihrem...

Als Gayle Tufts 50 wurde, wünschte ihre ältere Schwester ihr „viel Glück für die nächsten zehn Jahre“. Thank you, bedankte sich Tufts leicht pikiert – sie ahnte ja nicht, wie turbulent das nächste Jahr werden sollte. „Mit 50 habe ich die größte Show meines Lebens kreiert, ,Everybody’s Showgirl’“, erzählt Tufts. „Ich bin in die Wechseljahre gekommen. Und musste Abschied von meiner Mutter nehmen.“ Diese einschneidenden Erfahrungen verarbeitet sie in ihrem neuen Buch „Some like it heiß!“, das am 30. März im Aufbau Verlag erscheint. Ein paar Tage später hat auch die neue Show Premiere. Sie handelt selbstredend von Hormonen, Hitzewallungen und neuen Herausforderungen – und soll nicht nur Frauen ab 45 ansprechen. „Es ist ein Happening für die ganze Familie“, erklärt Tufts gut gelaunt. „Denn eigentlich ist es eine Show über das Erwachsenwerden – mit 51!“

Dass die Wechseljahre immer noch ein Tabuthema sind, musste auch Tufts feststellen. „Man kann heute eigentlich über alles offen sprechen dank Internet. Mit dem Geständnis, dass ich Rollenspiele als Dschihadistin in World of Warcraft liebe, würde ich niemanden schocken. Aber sobald ich von den Wechseljahren spreche, treffe ich auf betretenes Schweigen.“

Gayle Tufts nimmt in ihrer Show garantiert kein Blatt vor den Mund. „Es wird auch einen Song über Eierstöcke geben“, erklärt sie lachend. Sie geht das Thema Menopause mit warmherzigem Humor und einer großen Portion Selbstironie an. Sie sei „nur ein Jahr älter als Madonna, aber mittlerweile um einige Grade hotter“, nimmt sie sich selbst auf die Schippe.

„Es ist aber kein Klamaukprogramm!“, betont sie. Sie hat reiflich überlegt, ob sie in der Show auch vom Tod ihrer Mutter sprechen soll. „Es ist tricky. Solche Themen gehören eigentlich nicht auf die Kleinkunstbühne. Aber ich habe mich nie als Comedian verstanden. Ich bin Entertainerin.“ Ihr Vorbild ist Bette Midler, auch Tufts geht es um die Gratwanderung zwischen Komik und Tragik. Mit „Some like it heiß!“ tritt sie in eine neue Lebensphase, kehrt aber auch zu ihren Anfängen zurück. Bei ihrer One-Woman-Show in der Bar jeder Vernunft wird sie nur von einem Pianisten begleitet. Marian Lux ist der neue Mann am Klavier. Zusammen haben sie sieben neue Songs geschrieben. „Seine Mutter ist gerade Mal ein Jahr älter als ich“, sagt Tufts. „Ist das nicht shocking?“

Mit ihren 51 Jahren wirkt Tufts unglaublich fit und lebenslustig. Von Hormonpflaster will sie nichts wissen. Sie schwört auf Schüßlersalze, frische Luft und Bewegung. Und ganz wichtig: „You have to do the emotionale Arbeit.“

Glücklich macht sie, dass mittlerweile auch Heteromänner zu ihr kommen. Die will sie nicht verschrecken. Trotzdem werden die Jungs in „Some like it heiß!“ Dinge über Frauen erfahren, die sie bislang nicht zu fragen wagten – weil sie es nie so genau wissen wollten. „Jedes Jahr ist doch ein Wechseljahr“, meint Tufts, obwohl sie das Amerikanische „I’m going through a change“ vorzieht. Ihr Rat an alle lautet: Go with the flow. SANDRA LUZINA

Premiere 3.4., 20 Uhr

bis 6.5., Di – Sa 20 Uhr, So 19 Uhr

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