Zeitung Heute : Ein Jahr lang auf Klassenfahrt

Wer im Internat lernt, erlebt Regeln und Freiheit

Katja GartzD

Während die Internatsschüler im alten Klostergemäuer der Urspringschule auf der Schwäbischen Alb noch eine halbe Stunde in den Federn liegen, schmecken in der Christophorusschule Elze bereits die ersten Frühstücksbrötchen. Südlich von Hannover sorgt die Hausmutter um halb sieben Uhr für den Tagesbeginn. „Bei harten Fällen kommt auch mal ein nasser Waschlappen zum Einsatz“, weiß Schul- und Jugenddorfleiter Eckhard Nührig zu erzählen.

Die Schule in Trägerschaft des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) führt von der fünften Klasse bis zum Abitur und kooperiert außerdem mit einer Haupt- und Realschule. Von insgesamt 920 Schülern wohnen 90 im Internat. Bis zur zehnten Klasse sind die Mädchen und Jungen in Zweitbettzimmern in getrennten Häusern untergebracht. Nach dem Mittagessen stehen eineinhalb Stunden für Förderunterricht und betreute Hausaufgaben auf dem prall gefüllten Tagesplan. Zwei Stunden Zeit für Arbeitsgemeinschaften, Freizeitprogramme und Förderunterricht schließen sich an den Nachmittagskaffee an. Von 30 verschiedenen AGs besucht jeder Schüler mindestens zwei. Zur Auswahl stehen Elektronik, Video, Bogenschießen, Kanu, Musikinstrumente und Sprachen, wie etwa Arabisch. Die Schwerpunkte des Internats CJD Elze liegen im musischen, sportlichen und kulturellen Bereich. Ein Internat sei ein Ort zum Lernen und Leben, zum Fähigkeiten ausprobieren, Talente entwickeln und Freunde finden, sagt der Schulleiter. Auffällig findet Nührig den schwindenden Humor der Jugendlichen. Grund sei der zunehmende Leistungsdruck. Immerhin würden die Jungen noch versuchen länger als erlaubt im Mädchenhaus zu bleiben.

Im Landschulheim Schloss Buldern in der Nähe von Münster beginnt der Tag mit einem Frühstücksbuffet im Schloss, auf dessen Qualität Schulleiter Wolfgang Keßler besonders stolz ist. Das Internat ermöglicht Realschülern den Besuch eines Aufbaugymnasiums von der siebenten bis zur zehnten Klasse. So können sie die Fachoberschulreife erreichen oder die gymnasiale Oberstufe mit dem Abitur abschließen. In der Mittelstufe zählt eine Klasse höchstens 16 Schüler. Förderkurse finden in kleineren Gruppen statt. Zuständig für insgesamt 400 Schüler, von denen 200 im Internat leben, sind 42 Lehrer. Eine Besonderheit des Internats ist, dass es jeden Grund- und Leistungskurs unabhängig von der Schülerzahl einrichtet. So haben die Schüler im Musik- und Kunstleistungskurs jeweils Einzelunterricht, Französisch wird zu dritt gelernt. Beliebt bei den Bewohnern des herrschaftlichen Anwesens ist, nachts aus dem Fenster zu klettern und sich irgendwo auf dem Gelände zu treffen. Dies ist auch an der Urspringschule beliebt. Die Leiterin amüsiert es, schimpfen müsse sie trotzdem. Für den ausbleibenden Schabernack hat Ingrid Sund eine eigene Erklärung: „Wenn Schüler sich wohl fühlen und viele kreative Möglichkeiten haben, werden Streiche unwichtig.“ Katja Gartz

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