Zeitung Heute : Ein Job für Netzwerker

Stresserprobte Quereinsteiger mit Praxiserfahrung haben in der PR-Branche nach wie vor Chancen

Henning Zander

Die Öffentlichkeitsarbeit galt lange als Talentberuf, für den es ausschließlich auf persönliche Fähigkeiten ankam. Entweder man überzeugte und konnte sein Thema, sein Produkt unter die Leute bringen – oder eben nicht. Inzwischen scheint sich das allerdings geändert zu haben. „Die Branche hat sich professionalisiert“, bestätigt Peter Steinke von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), dem größten Berufsverband von PR-Beratern und Kommunikationsmanagern in Deutschland. In den vielseitigen Aufgabenfeldern – von der klassischen Medienarbeit bis zur Marken-PR – ist Fachkompetenz gefragt. „Heute brauchen PR-Berater gute ökonomische, politische und juristische Kenntnisse, um den gestiegenen Anforderungen ihrer Arbeit- oder Auftraggeber zu entsprechen“, meint Peter Steinke.

Die Wege in die Öffentlichkeitsarbeit können allerdings nach wie vor ganz unterschiedlich sein, der Begriff PR-Berater ist rechtlich nicht geschützt. Ein abgeschlossenes Studium gehört mittlerweile zwar zum Standard, ist aber nicht immer zwingend erforderlich. Ein Abschluss in Public Relations, wie er neuerdings von verschiedenen deutschen Hochschulen angeboten wird, ist eine Möglichkeit, in den Beruf einzusteigen. Doch auch Absolventen anderer Studiengänge können sich als Quereinsteiger für die Branche fit machen. Der Klassiker ist ein Volontariat bei einer PR-Agentur oder in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens. Auf diese Weise kann man sofort in die Praxis einsteigen, erste PR-Konzepte entwickeln und ist in alle Arbeitsabläufe integriert. Parallel dazu werden in der Regel Schulungen in Kommunikation und Konzeptentwicklung angeboten. In einigen Unternehmen gibt es auch Traineeprogramme, die ähnliche Inhalte haben wie ein Volontariat.

Die Alternative: Eine Ausbildung zum PR-Berater bei einem privaten Bildungsträger. Doch der Markt ist groß und unübersichtlich, die Suche nach dem richtigen Anbieter nicht leicht. „Wer sich für Weiterbildung in der Öffentlichkeitsarbeit interessiert, sollte sich an etablierte Anbieter halten“, rät Peter Steinke. PR-Schulungen dürften bei einer Bildungseinrichtung nicht „zufällig“ zum Programm gehören. Vielmehr müssten sich die Institute schon längere Zeit auf diesem Gebiet betätigen.

Einige Anbieter haben sich von der Deutschen Public Relations Gesellschaft zertifizieren lassen. Für die DPRG ist ihr hauseigenes Gütesiegel auf jeden Fall ein „Anhaltspunkt für die Qualität der Ausbildung“, so Steinke. Geprüft wird unter anderem die Erfahrung der Dozenten, die Ausstattung des Instituts und die Konzeption der Lerninhalte. Interessierten rät der PR-Fachmann außerdem zu einer lang angelegten Aus- oder Weiterbildung: „Ein Seminar über zwei Tage macht noch keinen PR-Experten.“

Gerade weil sich so viele verschiedene Anbieter auf dem Weiterbildungsmarkt tummeln, ist es wichtig, dass der betreffende PR-Abschlusses in der Branche anerkannt ist – wie etwa die Prüfung zum PR-Berater vor der Deutschen Akademie für Public Relations. Die Akademie wurde 1991 von der DPRG und der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA), dem Unternehmensverband führender PR-Agenturen, gegründet. Erwerben kann man den Abschluss unter anderem auch am PR-Kolleg in Berlin und Potsdam – im Fernstudium, das zwölf Monate dauert, oder im zehnmonatigen Abendstudium.

Ein Abschluss allein ist allerdings noch keine Jobgarantie, Praxiserfahrung muss her. „Das ist schon eine Ochsentour“, sagt Matthias Bonjer von der Berliner Agentur Zucker-Kommunikation. Seine 18 Mitarbeiter teilen sich je nach Berufserfahrung in Praktikanten, Assistenten und Berater auf. „Das Praktikum ist nötig für den Berufseinstieg. Später arbeitet man zwei, drei Jahre als Assistent, bevor man als Berater selbst Konzepte für Kampagnen entwickeln darf“, skizziert Bonjer den Einstieg in die Branche. Ein Studium findet er dagegen nicht so wichtig. „Natürlich lernt man dort analytisches Denken. Aber wenn jemand als Taxifahrer oder Krankenschwester gearbeitet hat, dann weiß ich, dass er anpacken kann, wenn es nötig ist.“

Viel Wert legt Bonjer auf die Fähigkeit, unter Druck zu arbeiten und auch mal Niederlagen einzustecken. „Manchmal dauert es ein Jahr bis ein Konzept verwirklicht ist. Da braucht man einen langen Atem.“ Der PR-Berater befinde sich immer im Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen des Kunden und den Anforderungen des Medien-Marktes. Ob man damit umgehen könne, sei letztendlich eine Typfrage. „Als Misanthrop ist man in diesem Beruf schnell am Ende.“

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