Zeitung Heute : Ein Kiez wehrt sich

Die KHSB lädt zur internationalen Konferenz für Experten aus der Bürgerbewegung

Anja Brandt

Die Zeit der außerparlamentarischen Opposition ist vorbei – doch der Bürgerprotest lebt weiter. Das haben sich zumindest die Gründer des Deutschen Instituts für „Commuinity Organizing“ (DICO) vorgenommen. Dort beraten Wissenschaftler von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen (KHSB) Kiezbewohner, die parteiunabhängige Bürgerplattformen gründen wollen. Vom 2. bis 4. Juni werden erstmals Experten aus dem Ausland an die KHSB reisen, um Erfahrungen über Community Organizing auszutauschen und eine Forschungsagenda zu entwickeln.

„Beim Community Organizing beteiligen sich die Kiezbewohner aktiv an politischen Entscheidungsprozessen in ihrem Viertel“, erklärt DICO-Leiter Leo Penta. Dabei seien die Mitstreiter frei von Vorgaben aus Parteien oder dem Bezirksparlament. So auch im „Werknetz Aktive Stadt“ aus Karlshorst.

In dem Verbund haben sich Gewerbetreibende, Kirchengemeinden und aktive Bürger aus dem Berliner Stadtteil zusammengeschlossen. Sie treffen sich regelmäßig in den Räumen der KHSB, berichten über Erfahrungen im Kiez und machen ihrem Ärger Luft – sei es über die schlecht asphaltierte Fahrbahn zwei Straßenecken weiter oder die kaum bewässerten Grünflächen im Sommer. Gemeinsam entwickeln sie anschließend Kampagnen, von denen sie sich eine öffentliche Wirkung erhoffen.

„In den USA hat der Begriff des Community Organizing eine lange Tradition“, erklärt der gebürtige Amerikaner Leo Penta. Seit der Professor für Sozialarbeit vor 12 Jahren nach Deutschland kam, setzt er sich für diese Form des Bürgerengagements in Berlin ein. „Manchen Bürgern fällt es schwer unterschiedliche Einkommen oder Konfessionen zu überwinden – doch erst wenn das geschieht, entsteht ein starkes Netzwerk“, sagt Penta.

Auch im Stadtteil Schöneweide engagieren sich Vertreter aus Seniorengruppen, Kirchengemeinden und Schülerverbänden in einem Bürgernetzwerk für positive Veränderungen in ihrem Stadtteil. „Wir besuchen gemeinsam politische Veranstaltungen im Bezirk – und sind uns nicht zu schade, den Abgeordneten auf den Schlips zu treten“, sagt Gunther Jancke, aktives Mitglied im Netzwerk. Zurzeit machen sich er und weitere Mitstreiter in der „Schöneweide AG“ für die Ansiedlung von Unternehmen im Stadtteil stark, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Auf dem internationalen Treffen im Juni werden Mitglieder von Partnerorganisationen aus England und aus den USA dabei sein. Wissenschaftler von der Universität Chicago werden Forschungsergebnisse über das Community Organizing vorstellen. „Auch ein praktisches Bürgernetzwerk kann Ratschläge aus der Wissenschaft gebrauchen“, sagt Leo Penta. Anja Brandt

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