Zeitung Heute : Ein Kommentar in den "Tagesthemen" als Weiß-Wäscher

Hellmuth Karasek

Brecht, der was davon verstand, weil auch er zur Zunft gehörte, hat die Medien-Arbeiter am Hofe des pekinesischen Kaisers "Weiss-Wäscher" genannt. Sie sprechen Passanten an, sagen: Eine neue Meinung über den Kaiser? Es geht im Stehen und kostet nur fünf Mark.

In der ARD steht man nicht, man sitzt in der ersten Reihe, und der bayerische Staat hat auch keinen Kaiser. Dafür einen Bayerischen Rundfunk. Da kommentierte in den "Tagesthemen" vorgestern abend zur größten bayerischen Finanzaffäre, seit Stoiber den Freistaat regiert, Sigmund Gottlieb, sonst ein verläßlicher Journalist: "Anders als in anderen Fällen geht es in der LWS-Affäre nicht um persönliche Bereicherung oder Vorteilsnahme. Keiner hat sich etwas in die Tasche gesteckt!"

Super! Die gute Nachricht zuerst! Niemand von der Bayerischen Staatsregierung hat gemordet. Es geht auch nicht um Straßenraub, Nötigung, Vergewaltigung. Nicht um Erpressung und kriminelle Vereinigungen, nein bloß darum, daß die Regierung als Aufsichtsbehörde (auch Stoiber sitzt als Ministerpräsident und saß als Minister im Aufsichtsrat) ein paar hundert Millionen durch mangelnde Aufsicht in den Sand gesetzt hat.

Gottlieb hilf! "Stoiber, eher Zweifler, ganz sicher eher Perfektionist, vor allem, wenn es darum geht, den Freistaat sauber zu halten . . . neigt nicht zu übereilten Entscheidungen." Dieser feine Satz der Stoiber-Lobpreisung umschreibt, daß der Ministerpräsident seinen Justizminister Sauter, wie dieser findet, "als Menschenopfer" in der LSW-Affäre verbraten hat. "Er hatte keine Wahl mehr" entschuldigt die Stimme seines Herrn (BR) seinen Herrn. Und: "Die Entlassung eines Ministers ist kein "Menschenopfer", sondern gehört zur Lebenswirklichkeit und zum Berufsrisiko eines Politikers." Sehr schön! Wie aber sieht Berufswirklichkeit und Lebensrisiko, Berufsrisiko und Lebenswirklichkeit eines bayrischen Regierungschefs aus? Es empfiehlt sich ein Sprichwort: Mitgefangen, mitgehangen - um den "Freistaat" sauber zu halten.

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