Zeitung Heute : Ein letztes Mal lachen

Till Hein

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann

Die beiden größten deutschen Unterhaltungskünstler der letzten Jahre sind zurückgetreten: Rocko Schamoni und Edmund Stoiber. Ob Rocko das Discotier gab, Edmund eine Blume hinrichtete, oder über den Problembär philosophierte: Es waren Momente des Glücks, in denen es sich lohnte, auf der Welt zu sein! Die Sinnfrage stellte sich nicht; nur das Hier und Jetzt war wichtig. Bald werden wir ohne die beiden Lichtgestalten der Comedy auskommen müssen: Schamoni will sich künftig dem Schreiben widmen; Stoiber hat sich zu seinen Zukunfts-, äääh, -plänen noch, ääääh, nicht geäußert.

Der Rücktritt der Giganten führt empfindsamen Menschen die Flüchtigkeit aller irdischen Freuden vor Augen. Trübsinnig starren wir ins Leere. Doch die Erkenntnis der Vergänglichkeit kann auch eine Chance sein: Vor gut zweitausend Jahren litt ein junger Prinz in Nordindien unter solchen Seelenqualen. Er jammerte nicht lange rum, sondern gründete eine Religion. Unter dem Namen „Buddha“ wurde er auch im Westen bekannt.

Um Herrn Buddha besser kennen- zulernen, habe ich seine Biografie gelesen. Er hieß mit bürgerlichem Namen „Gautama“, steht drin. Hört sich nach Vorstopper bei Juventus Turin an, aber egal. Unter anderem schlägt Herr Gautama vor, asketisch zu leben und zu meditieren. Aber hin und wieder ein Wiener Schnitzel ist auch nicht zu verachten, finde ich. Meine Mitbewohnerin A. hingegen ist schon weiter auf Gautamas Weg: Sie verzehrt morgens nur trockenen Reis. Buddhistische Ernährung aus Indien sei das, genau wie Lachyoga.

Diese Methode habe ich neulich in einem Buddhistischen Zentrum ausprobiert: Wir skandierten alle gemeinsam: „Haha!, Hohoho!“ und absolvierten dazu Kniebeugen. Soll sehr gesund sein und fröhlich machen. Durch das mechanische Lachen wird nämlich nach und nach ein echtes, befreiendes Lachen ausgelöst – so die Theorie. Bei mir funktionieren Stoiber-Reden besser.

Sternstunden der Realsatire

www.rushme.de/stoiber-stilblueten

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