Zeitung Heute : Ein Linker für den rechten Kurs Wer ist Klaus Uwe Benneter –

der designierte Generalsekretär

Sabine Beikler

Der lange Marsch durch die Institutionen – den kennt Klaus Uwe Benneter. Nach einer parteiinternen Ochsentour, die der 56-jährige SPD-Bundestagsabgeordnete hinter sich hat, steht er nun vor der wohl größten politischen Herausforderung seiner bisherigen politischen Karriere: Benneter soll neuer Generalsekretär der SPD werden. Der designierte Parteichef Franz Müntefering hat ihn sich ausgesucht – zur Überraschung nicht weniger im SPD-Vorstand, der die Personalie gleichwohl einstimmig billigte. Dass außerhalb Berlins ihn kaum einer kennt, ficht Müntefering nicht an: „Die werden ihn kennen lernen.“ Einer kennt ihn sehr gut – Kanzler Gerhard Schröder. Aber nicht er, betont Schröder am Sonnabend auf Nachfragen, sondern ganz alleine Müntefering habe den neuen General ausgesucht.

Obwohl Benneter gar nicht mehr links ist, wird er auf seine Zeit als Juso-Chef 1977 oft angesprochen. Damals wurde der Rechtsanwalt als Linksabweichler aus der SPD hinausgeworfen – er war für Bündnisse mit der DKP. 1983 durfte er zurück. Danach galt er lange als das Enfant Terrible der Berliner SPD. In den neunziger Jahren kämpfte „Benny Bürgerschreck“ energisch gegen die Große Koalition im Roten Rathaus. In der Zeit war er nacheinander Landeskassierer und SPD-Landesparteivize. Damals erzählte man sich, er bemühe sich um Kontaktpflege zum Seeheimer Kreis der SPD-Rechten.

Im Bundestag, dem er seit 2002 angehört, war Benneter Vorsitzender des Lügen-Untersuchungsausschusses. In dem Metier hatte er Erfahrung – als Abgeordneter im Berliner Parlament 1999 bis 2002 hat er den Untersuchungsausschuss zur Banken-Affäre geleitet.

Benneters Rollenwechsel vom Rebellen zum Machthüter kam peu à peu. Seit Schröder Kanzler ist, könnte man den Mann mit der randlosen Brille fast als die personifizierte Parteidisziplin bezeichnen. Im Streit um die Agenda 2010 gehörte Benneter zu den Verteidigern. Schröder sei kein Neoliberaler, sondern er bringe auf den Punkt, was von einer regierungsfähigen Sozialdemokratie zu verlangen sei. „Das ist die Agenda 2010. Das ist die Zusammenfassung dessen, was jetzt getan werden muss, um die Errungenschaften des Sozialstaats aufrechterhalten zu können“, sagte Benneter damals im Tagesspiegel-Interview.

Bei den Wahlen zum SPD-Bundesvorstand vergangenen November fiel Benneter mit Pauken und Trompeten durch. Doch diese Niederlage steckte er problemlos weg. Sein Marsch muss offensichtlich doch gar nicht so lang sein.

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