Zeitung Heute : Ein lohnendes Engagement

Vorjahressieger Stephan Hiller hat seine Wettbewerbs-Teilnahme nicht bereut

Regina.-C. Henkel

Als Finanzchef der Luckenwalder Theravision GmbH ist Stephan Hiller viel unterwegs und am einfachsten über seinen Mobilfunk-Anschluss zu erreichen. Ein paar Fragen darüber, ob sich die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg auch im Rückblick gelohnt hat, beantwortet das Mitglied des 2004-Gewinner-Teams gerne – ja beinahe leidenschaftlich.

Obwohl der 36-jährige Diplom-Kaufmann gegen fast ohrenbetäubende Lautsprecherdurchsagen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof anschreien muss, hört man seine Begeisterung für den BPW deutlich heraus. „Ohne die Unterstützung vor allem der Berater und Coaches wären wir heute auf keinen Fall so weit“, sagt Hiller. „Vor allem die umfangreichen Informationen über die ganze Thematik der Fördergelder haben uns enorm geholfen. Und richtig wichtig war für uns auch, unser Konzept in den unterschiedlichen Phasen seiner Entstehung von externer Seite durchleuchten zu lassen, sowohl kaufmännisch als auch wissenschaftlich.“

Wenn Stephan Hiller von „uns“ spricht, meint er derzeit – außer sich selbst – vor allem Theravision-Mitgründerin Birgit Vogt. Die Diplom-Ingenieurin für Biotechnologie ist im Moment die einzige Person auf der Firmen-Payroll. Alle anderen Teammitglieder arbeiten noch im alten Job. Hiller beispielsweise als kaufmännischer Berater von Technologieunternehmen. Denn obwohl das 1993 gegründete Unternehmen im vergangenen Jahr den ersten Platz der dritten BPW-Stufe errang und dafür eine Prämie von 15 000 Euro erhielt, können die insgesamt vier Gründer noch lange nicht davon leben. „Wir brauchen mindestens noch ein halbes Jahr“, ruft Hiller in sein Handy, um dann nach drei vergeblichen Ansätzen eines zusammenhängenden Gedankenaustauschs sogar noch erklären zu können: „Wir entwickeln Therapien auf Proteinbasis zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder entzündlicher Prozesse bei Herzanfall, Schlaganfall und AIDS. Da wird über Zehn-Jahres-Rhythmen und Venture Capital ab einer Million Euro aufwärts geredet. Wir sind in Verhandlungen, brauchen aber bis zum Abschluss des ersten Beteiligungsvertrags mindestens noch ein Jahr.“ Auch die durch den Wettbewerb-Sieg kurzfristig enorm angestiegene Popularität habe darauf keinen Einfluss nehmen können.

Ein Gefühl und die Geduld für derart lange Vorlaufzeiten zu entwickeln, gehört laut Stephan Hiller ebenfalls zu den Chancen, die der BPW bietet. Hillers Tipp für alle Gründeraspiranten, die etwa wegen des Zeitaufwands für die Vortragsbesuche noch mit sich hadern: „An einem Businessplan kommt man heute sowieso nicht mehr vorbei. Warum dann nicht das professionelle Unterstützungsangebot in Anspruch nehmen? Hingehen und mit den Leuten reden, sollte man auf jeden Fall. Für uns hat es sich wirklich gelohnt. Die Hilfe war großartig.“ Deutliche Worte – bevor Hiller in ein weiteres Funkloch abtaucht.

Mehr Infos im Internet unter:

www.theravision.de

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