Zeitung Heute : Ein Marathon als Endspurt

Claus Vetter Hartmut Scherzer

Zur Musik von Carmen lief Johann Mühlegg seinem dritten Gold entgegen. Mit einem kraftvollen Endspurt gewann der Wahlspanier aus Oberbayern die 50 Kilometer im klassischen Stil mit 14,9 Sekunden Vorsprung vor dem Russen Michail Iwanow. Es waren 100 goldene Kilometer in Soldier Hollow für den 31 Jahre alten Eigenbrötler vom Eibsee bei diesen 19. Winterspielen. Nach den 30 km im Freistil, der Kombination aus 10 km klassisch und 10 km Verfolgung ließ sich Johann Mühlegg auch im Skimarathon nicht von der Goldspur abbringen. Nicht vom warmen Föhn, vom weichen Schnee, vom steifen Wind und auch nicht von angeblichen Problemen bei der Blutkontrolle.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Vor dem Start schwirrten wilde Gerüchte durch das Medienzelt in Soldier Hollow, Johann Mühlegg habe Schwierigkeiten bei der Dopingkontrolle vor dem Start gehabt. Es musste bei ihm ein zweites Mal, hieß es, Blut abgenommen werden. Bundestrainer Jürgen Wolf war im ZDF dazu gefragt worden, hielt sich aber bedeckt. Auch er habe von dem Gerücht gehört. Mühlegg gab nach dem Rennen näher Auskunft: "Ich war als erster Läufer in der Kontrolle. Wegen einer Spezialdiät, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, leichtem Durchfall in der letzten Nacht und der Höhe gab es einige Unstimmigkeiten bei den Werten. Der erste Wert war minimal über der Grenze, aber beim zweiten Mal hat die Probe deutlich hingehauen", sagte Mühlegg, der nach eigenem Bekunden "das härteste Rennen" seines Lebens gelaufen war.

Nunmehr gehört Johann Mühlegg zusammen mit dem Norweger Ole Einar Björndalen (viermal Gold im Biathlon), dem Finnen Samppa Lajunen (dreimal Gold in der Nordischen Kombination) und der Kroatin Janica Kostelic (dreimal Gold Ski Alpin) zu den erfolgreichsten Teinehmern der Spiele von Salt Lake City. In dem Rennen mit einer Gesamtsteigung von 1794 Metern hatte von Anfang Iwanow geführt, mit einer halben Minute zur Hälfte des Rennens. Noch bei der 40-km-Marke lag der Russe mit 16,4 Sekunden Vorsprung vorn. Doch dann setzte Mühlegg zu seinem Endspurt an, hatte bei der Zeitmessung bei Kilometer 46,5 mit 3,3 Sekunden Vorsprung Iwanow überholt.

"Johann hat hinten raus den besseren Ski gehabt als Iwanow und dadurch die Zeit gutgemacht", urteilte der deutsche Teamchef und ehemalige Mannschaftskamerad bei den drei vorangegangenen Olympischen Spielen, Jochen Behle. Aber Behle beschäftigte sich nach dem "sehr, sehr schweren Fünfziger" lieber mit der Leistung von Andreas Schlütter. Der Thüringer setzte die guten Langlaufleistungen der Deutschen fort und belegte einen überraschend guten fünften Platz, obwohl er nicht in der so genannten roten Gruppe der stärksten Läufer gestartet war. "Andreas hatte sicherlich in der dritten Runde Probleme, hat sich aber super durchgekämpft", sagte Behle. "Der fünfte Platz ist hervorragend. Keine Frage. Mühlegg siegte in 2:06:05,9 Stunden 14,9 Sekunden vor Iwanow und 38,6 Sekunden vor dem Esten Andrus Veerplau. Vierter wurde der Norweger Odd-Björn Hjelmeset, 2:35,6 Minuten zurück. Andreas Schlütter hatte 2:48,9 Minuten Rückstand.

Der 29 Jahre alte Sportsoldat aus Zella-Mehlis war ohne Orientierung zur direkten Konkurrenz als Dreizehnter unter 64 Teilnehmern ins Rennen gegangen. "Aber ich habe von Anfang an gemerkt, es geht gut. Ich kann wahnsinnig marschieren. Ich hatte dann viel Orientierung nach hinten erhalten. Und als ich gehört habe, wie gut es läuft, dass ich zwischen Platz drei und sechs liege, habe ich sogar ein bisschen von einer Medaille geträumt. Ich wollte unter die ersten zehn kommen. Jetzt bin ich Fünfter und vollauf zufrieden."

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