Zeitung Heute : Ein Mittel gegen Pickel

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Wie man Akne richtig behandelt

Hartmut Wewetzer

Eigentlich sind Talgdrüsen nützlich. Sie sitzen in den Poren und produzieren eine hautschützende Fettschicht. Aber den meisten Menschen machen sie einmal im Leben Probleme, nämlich zwischen dem 15. und 18. Lebensjahr. Da plagen sich viele mit der Talgdrüsenkrankheit Akne, dem häufigsten Hautleiden überhaupt.

Wer behauptet, das sei keine ernsthafte Störung, hat zwar in den meisten Fällen Recht. Aber eine nicht richtig behandelte Akne kann Spuren hinterlassen. „Mit einer frühzeitigen und konsequenten Therapie lässt sich die Narbenbildung verhindern“, sagt der Hautarzt Christoph Geilen von der Berliner Charité. „Nichts ist unsinniger als die Behauptung: ,Da muss man durch’.“

Noch immer streiten sich die Wissenschaftler darüber, was die genaue Ursache ist. Mehrere Faktoren spielen zusammen. Fest steht, dass die männlichen Geschlechtshormone wichtig sind. Die Androgene lassen die Talgdrüsen wachsen und fördern die Talgbildung. Wenn der Ausführungsgang der Talgdrüse durch übermäßige Hornbildung verstopft ist, sammeln sich Talg und Bakterien. Ein Mitesser entsteht, der sich mehr und mehr entzünden kann. Schließlich entwickeln sich geschwollene und rötlich entzündete Mitesser, eitergefüllte Bläschen (Pusteln), verfestigte Knoten (Papeln) und vereiterte, tief liegende Zysten, die Narben bilden können. Vorbeugen kann man nur wenig. Die Behauptung, dass Schokolade, Chips oder Schweinefleisch Akne auslösen können, sind nicht belegt. Auch mit mangelnder Hygiene hat die Störung nichts zu tun. Und ansteckend ist sie auch nicht!

Wer sich mit Akne herumplagt, sollte seine Haut schonend behandeln und sanft reinigen. Scheuern, Kratzen und ein Ausdrücken der Mitesser sind tabu – das nämlich kann „nach hinten losgehen“, wie der Hautspezialist Geilen sagt, und die Probleme noch größer machen.

Meist genügt eine äußerliche Behandlung mit frei verkäuflichen Substanzen wie Benzoylperoxid, die Bakterien unterdrücken. Dabei sollte man beachten, dass es acht Wochen dauern kann, bis sich Effekte zeigen – nicht zu früh aufgeben.

In hartnäckigen Fällen kann es nötig sein, mit Antibiotika-Cremes oder Retinoiden, Vitamin-A-Abkömmlingen, zu behandeln. Und in schweren Fällen kann die Antibiotika-Einnahme erforderlich sein. Am wirksamsten ist der Vitamin-A-Wirkstoff Isotretinoin. Er kann Narben verhindern und Akne in bis zu 90Prozent vollständig oder fast vollständig heilen. Der Hauptmakel des Isotretinoins ist, dass die Substanz Fehlbildungen an Föten hervorrufen kann. Frauen müssen es also bei der Verhütung genau nehmen.

Christos Zouboulis, führender Akne-Spezialist an der Charité, sucht nach Alternativen. Und ist vielleicht schon fündig geworden. Er glaubt, dass bei der Akne-Entstehung vor allem Entzündungsprozesse wichtig sind und setzt auf die Blockade von Leukotrienen. Das sind körpereigene Substanzen, die die Talgdrüsen-Entzündung anheizen. „Eine Studie mit einem Leukotrien-Blocker in den USA läuft schon“, sagt Zouboulis.

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