Zeitung Heute : Ein neues „Format“

Der Tagesspiegel

So mancher Wiener Journalist sucht zurzeit das therapeutische Gespräch. Denn groß ist die österreichische Zeitschriftenlandschaft nun nicht gerade. Wenn dort etwas passiert, wälzt es gleich den gesamten Markt um. Am Mittwoch war wieder so ein Tag: Wolfgang Fellner, Gründer der im österreichischen Zeitschriftenmarkt mittlerweile alles beherrschenden Verlagsgruppe News, verkündete, dass Christian Ortner ab Ende März nicht mehr Herausgeber vom „Format“ ist, dass Joachim Riedel nicht mehr Chefredakteur ist und „Format“ ab 15. März nicht mehr montags, sondern freitags erscheint. Neuer Chefredakteur ist der bisherige Innenpolitik-Chef Andreas Weber.

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich war der Montag traditionell der Tag der Nachrichtenmagazine: An diesem Tag erschienen bislang „Format“ und „Profil". Zwei Konkurrenten, könnte man glauben, so wie hierzulande „Focus“ und „Spiegel". Aber so etwas Anstrengendes wie Konkurrenz gibt es in Österreich nicht. „Format“ erscheint in der Verlagsgruppe News, an der die zur Essener WAZ gehörende Kurier-Gruppe mit 30 Prozent beteiligt ist. Den Rest halten der Hamburger Verlag Gruner + Jahr sowie die Familienstiftung von Wolfgang und Hellmuth Fellner. Das war nicht immer so. Ursprünglich war „Format“ eine Veranstaltung der Fellner-Brüder. Sie starteten die Zeitschrift 1998 als Konkurrenz zum dreißig Jahre zuvor gegründeten „Profil“ aus der Kurier-Gruppe. Die beiden bekämpften sich seither mit allen Mitteln. Der ruinöse Wettbewerb endete im Spätsommer 2000. Damals brachte die Kurier-Gruppe ihre Magazine mitsamt „Profil“ in die News-Gruppe mit ein und bekam im Gegenzug 30 Prozent an der nun größeren Verlagsgruppe News. Die ehemaligen Konkurrenten erscheinen jetzt mit dem Segen der Kartellbehörde unter einem Dach.

Warum also gegeneinander am selben Erscheinungstag antreten, wenn die beiden Blätter sowieso keine Konkurrenten mehr sind? Ein Markttest, sagt der verbliebene Herausgeber Herbert Langsner, habe ergeben, dass sich der Freitag für „Format“ besser als Erscheinungstag eigne, da das Blatt sowieso meist am Wochenende darauf gelesen werde. Der Montag gehört „Profil“ in Zukunft allein.

Dass Chefredakteur Riedel und Herausgeber Ortner nun gehen, habe nichts mit der Blattreform von „Format“ zu tun, so versichern alle Beteiligten. Riedel und Ortner haben das Angebot, dem Magazin als Autoren erhalten zu bleiben. Der neue Chefredakteur Andreas Weber bezeichnet Ortner als „den besten Leitartikler des Landes". Noch sind die therapeutischen Gespräche nicht abgeschlossen.

Ulrike Simon

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