Zeitung Heute : Ein neues Gesicht

Die Hamburger FDP kehrt nach zwei verlorenen Wahlen 2004 und 2008 wieder in die Bürgerschaft zurück. Schon kurz nach Schließung der Wahllokale sprach alles dafür. Katja Suding, 35 Jahre jung, könnte außerdem ein neues liberales Politikerbild verkörpern. Christian Lindner jedenfalls hatte sich schon früh festgelegt. In einem Video-Chat während des Wahlkampfs gemeinsam mit der Spitzenkandidatin sagte der FDP-Generalsekretär: „Hamburg kann ein Erfolgsrezept für die ganze Partei sein.“

Mit Hamburg meinte Lindner die Spitzenkandidatin. Der junge FDP-General hätte gerne mehr von den Sudings in der Partei, weil sie die Art des Liberalen verkörpert, den vor allem die junge Führungsgeneration in der FDP seit Jahren fordert: wärmer, sympathischer und, vor allem, bürgernäher. In dieser Hinsicht war Suding die richtige Wahl. Die Mutter zweier Söhne hat die Alltagsprobleme der Bürger Hamburgs in den Mittelpunkt gestellt. Das ist neu für die Liberalen, die meist nur mit den ganz großen Themen wie Steuern, Wirtschaft oder dem Verhältnis von Staat und Bürgern kommen.

Die Tonalität und die Themensetzung von Suding waren sehr bewusst auf das ausgelegt, was auch Lindner fordert: nah bei den Leuten zu sein. Sie referierte gern über frühkindliche Erziehung, über Bildung und verknüpfte das Thema Familie mit den fehlenden bezahlbaren Wohnungen in der Stadt.

Immer wieder wurde Suding auch mangelnde Professionalität vorgeworfen, sie habe Probleme, frei zu reden, hieß es. Sie wurde reduziert auf die Plakatkampagne, die sie mit dem gelben Friesennerz zeigte, den Kragen hochgeschlagen, so als fröstle es sie. Das in den Boulevardmedien schnell vergebene Label „Westerwelles neues Top-Modell“ sollte eher Hinweis auf mangelnde Politikerfahrung sein.

Hinter vorgehaltener Hand bezeichneten sie hochrangige Parteimitglieder aus Hamburg sogar als „Bauernopfer“. Einige sprachen von „Übergangslösung“. Die Neider sind längst wieder unterwegs bei den Hamburger Freidemokraten.

Suding setzte eine Haltung dagegen, die auch auf ihren Plakaten formuliert war: „Positiv denken, positiv handeln.“ Das hört sich zwar für manche eher nach Yoga-Kurs als nach Politik an, allerdings ist es ihr mit dieser Art gelungen, zu überdecken, welchem Landesverband sie angehört: einem, der immer noch völlig uneinheitlich dasteht, dazu von sehr großen Eitelkeiten geprägt. Armin Lehmann

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben