Zeitung Heute : Ein neues PC-Equipment vermittelt das ultimative Spiel-Gefühl

Holger Schlösser

Hoppla, was haben wir geguckt! Seinerzeit, als Filme räumlich über den Fernseher flimmerten. Die grün-rote Brille aufgesetzt, schon tauchte man ein, in dreidimensionale Bilderfluten. Durchgesetzt hat sich die Technik nie - Inhalt und Bildqualität dieser Filme waren wohl zu dürftig. Außerhalb von Rummelplätzen oder Spezialkinos gibt es Hologramme heute nur im Science-Fiction-Film. Das soll sich ändern. Denn für den PC gibt es preiswerte Brillen, die aus fast jedem Computerspiel eine faszinierende, dreidimensionale Welt auf den Bildschirm zaubern soll.

Soweit die Theorie. Taugen die Geräte aber etwas in der Praxis? Zum Test bestellten wir die 3D-Relevator von Elsa. Die Anleitung ist knapp, aber ausreichend. Nach ihrem Studium wird der Rechner aufgeschraubt, die alte Grafikkarte ausgebaut und eine neue eingesetzt. Windows 98 erkennt das Gerät automatisch. Noch die CD mit den zusätzlichen Treibern eingelegt und zwischen Monitor und Grafikkarte den Adapter für die Infrarot-Schnittstelle der Brille eingefügt, und es kann losgehen.

Schon das Startmenü von "Lara Croft III" verschlägt dem 3D-Unkundigen die Sprache. Ausweis, Sonnenbrille und Walkman - sie stehen für die einzelnen Funktionen der Software - schweben auf dem Bildschirm, leicht um die eigene Achse rotierend. Dann das Spiel. Wie Lara durch den Dschungel rennt, über Felsen springt und Tümpel durchwatet - ein echter 3D-Trip. Nicht nur die Figur, auch die Umgebung mit Bäumen und Sträuchern, angriffslustigen Affen und anderem Getier lassen sich in ihrer verblüffend räumlichen Darstellung von allen Seiten betrachten. Fast hat man das Gefühl, mitten drin zu stecken, in den Bildern. Das ist nicht bei allen Spielen so. Von 3D-Zauber ist in dem Action-Spiel "Star Wars Jedi Knight" nichts zu spüren, obwohl das Spiel sonst einen sehr guten grafischen Eindruck macht. Besser ist da schon Eidos Rennsimulation "Formula 1 Racing". Doch allein Lara mag man nach kurzem Test ohne 3D-Brille nie wieder ansehen.

Herkömmliche Computerspiele können zwar mit modernen Grafikkarten komplexe 3D-Szenen erzeugen, sind aber zur Darstellung nur eines einzigen Bildes für beide Augen gezwungen - des Monitorbildes. Und damit bleibt es bei einer reinen 2D-Wahrnehmung. Mit der 3D-Relevator ist das anders. Eine Elsa-Grafikkarte liefert in Verbindung mit der 3D-Brille sehr schnell hintereinander ein Bild je Auge und hält dem Spieler das jeweils andere Auge in dieser Zeit zu. Dies geschieht unmerklich mindestens 120 mal pro Sekunde, so dass das Gehirn die beiden Bilder wieder zu einem räumlichen Bild zusammenfügt. Das so generierte Stereo-Sehen ermöglicht den nahezu realistischen 3D-Effekt und lässt den Spieler mehr denn je Teil des Geschehens werden. Voraussetzung sind jedoch Spiele, die Microsofts Direct3D unterstützen, eine Grafikkarte, die mit RIVA TNT oder vergleichbarer Technik ausgestattet ist, sowie ein Monitor, der auch höhere Auflösungen in mindestens 120 Hz darstellt. Andernfalls flimmert das Bild zu stark und strengt die Augen an.

Was der Technik heute noch fehlt, sind ernsthafte Anwendungen jenseits allen spielerischen Zeitvertreibs. Man stelle sich vor, ein Architekt könnte das Haus, das er soeben am Rechner erstellt hat, begehen und dabei einen realistischen Raumeindruck gewinnen. Oder Elsa lieferte ein Zusatzprogramm für Windows, das es erlaubt, auf seinem Rechner in dreidimensionalen Verzeichnissen zu arbeiten. Vielleicht wird mit dem Relevator und ähnlichen Modellen spielerisch einer Entwicklung der Anstoß gegeben, die man in ein paar Jahren als selbstverständlich ansieht. Denn eines ist sicher: 3D-Brillen werden wie Gamepad oder Joystick schnell zu einem Equipment avancieren, auf das PC-Spieler ungern verzichten.Die Kabelversion der Elsa Revelator kostet 129 Mark, die Infrarotvariante 179 Mark. Systemvoraussetzungen: Pentium III oder AMD K6-2, Grafikkarte mit RIVA TNT, TNT2, TNT2 Ultra, Monitor mit mindestens 120 Hz Refreshrate

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