Zeitung Heute : Ein Ohr für fremde Sprachen

Zur Expolingua im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur werden mehr als 16 000 Besucher erwartet

Regina-C. Henkel

Wenn George W. Bush im Gespräch mit Wladimir Putin an seinem Ohrhörer herumnestelt, signalisiert er damit ganz besonders große Aufmerksamkeit – und seinen Respekt. Der US-Präsident möchte den russischen Präsidenten auf keinen Fall missverstehen. In der ganz großen Politik wird den Staatmännern und -frauen grundsätzlich zugespielt, was professionelle Simultanübersetzer verstanden haben.

Auch auf internationalen Tagungen gehören Ohrhörer zur Standardausstattung. Doch wer im ICC, im Estrel oder im Interconti zur Übersetzungshilfe greift, kaum dass ein fremdsprachiger Referent das Rednerpult betritt, tut nicht immer etwas Positives für sein Image. Im Beruf und auch im Privatleben wird heute erwartet, im Englischen verhandlungssicher zu sein und mindestens eine weitere Fremdsprache zu sprechen.

Doch für Herbert Krüger, Landesverbandschef im Fachverband Moderne Fremdsprachen (FMF), ist der dreisprachige Europäer, den Brüssel als Bürger eines geeinten Europas seit 1996 offiziell fordert, „noch nicht einmal eine europäische Fata Morgana.“

Dabei kann mit Ausreden heute niemand mehr überzeugen: Sprachkurse werden an jeder Ecke, mit CD-Rom- oder Kassetten-Unterstützung, als Fern- oder auch als Ferienlehrgang für die gesamte Familie angeboten. Es gibt Offerten für Anfänger, Fortgeschrittene und solche, die auf der Suche nach dem letzten sprachlichen Feinschliff sind. Auch für fast jeden Geldbeutel sind Kurse im Angebot. Die Kunst besteht darin, das individuell passende Lernangebot herauszusuchen.

Ab Freitag besteht die Gelegenheit: Die 15. Internationale Messe für Sprachen und Kultur, kurz Expolingua Berlin 2002, öffnet zum 15. Mal ihre Pforten. In den vergangenen Jahren hat die „Internationale Messe für Sprachen und Kultur“ jeweils rund 16 000 Besucher angelockt, gut die Hälfte waren Schüler und Studenten. „Das wird in diesem Jahr kaum anders sein“, vermutet Martina Bischoff vom Veranstalter International Conferences, Workshops and Exhibitions (ICWE), denn: „Die Messe wird dieses Mal in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst veranstaltet.“

Eine akademische Messe wird die Expolingua im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur deshalb noch lange nicht sein. Im Fachprogramm werden Eltern mit Vorträgen wie beispielsweise „Zur Situation der ersten Fremdsprache ab Klasse 3 in der Berliner Schule“ ebenso bedacht wie Weiterbildungswillige, die sich über „Sprachunterricht a lá carte mit Suggestopädie und Sprachpsychodramaturgie“ informieren wollen. Es wird Mini-Sprachtests und Fachvorträge geben, 123 Aussteller werden auf 807 Quadratmetern Messefläche ihre Angebote präsentieren und besonders innovative Sprachlernprojekte werden mit dem „Europäischen Sprachensiegel“ ausgezeichnet.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hat die Schirmherrschaft übernommen und das nationale Thema im Jahr 2002 unter „Sprachen lernen ab 50“ gestellt. Diese Altersgruppe entwickelt immer mehr Interesse am Sprachenlernen. Auslandsreisen, das Internet und der Kontakt zu ausländischen Mitbürgern haben die Lust, sich auf eine fremde Sprache einzulassen, verstärkt. Vor allem Spanisch ist im Kommen. Nach einer repräsentativen Umfrage würden 14,1 Prozent der Deutschen gerne Spanisch lernen, 12,4 Prozent Italienisch und 10,2 Prozent Französisch. Englisch wollen 17,7 Prozent lernen. Die Expolingua-Veranstalter finden das gut – und verteilen an die Besucher garantiert keine Ohrhörer.

Weitere Infos im Internet unter:

www.expolingua.com

www.icwe.net

www.sprachen-beruf.com

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