Zeitung Heute : Ein Ort der Besinnung

Mit dem bundesweiten Gedenktag soll auf die vielfältige Bedeutung von Friedhöfen hingewiesen werden

Waltraud Hennig-Krebs

Wenn von Toten-Gedenktagen die Rede ist, fällt den meisten Menschen der November ein: Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag. Um von diesen kollektiven Tagen des Totengedenkens abzurücken, wurde auf Initiative der Friedhofsgärtner, die über ihre Landesverbände im Zentralverband Gartenbau e.V. organisiert sind, im Jahre 2000 in Potsdam der „Tag des Friedhofs“ ins Leben gerufen. Er findet jährlich bundesweit am dritten Wochenende im September statt. In Berlin und Potsdam ist das der morgige Sonntag. Mit diesem Tag soll nicht nur der Friedhof als eine letzte Ruhestätte Verstorbener betrachtet werden, sondern auch als ein Ort der Besinnung und Erholung. Viele der häufig parkähnlich und großzügig angelegten Friedhöfe sind lebendige ökologische Nischen. Blumen, Rasen- und Wiesenflächen, Gehölze, Komposthaufen und Mauern mit Fugen bieten den unterschiedlichsten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.

Einen solchen Ort hat das zuständige Gremium, das aus Vertretern der 16 Institutionen, die sich am „Tag des Friedhofs“ beteiligen, für Berlin ausgewählt: Es ist der Friedhof Wilmersdorf, auf dessen Gelände auch ein ehemaliges Krematorium mit Berlins größter Urnenhalle steht. Er wurde 1886 als neuer Wilmersdorfer Gemeindefriedhof an der Berliner Straße angelegt. Und wie damals üblich, fanden dort nur Erdbestattungen statt. Die Kosten für ein angemessenes Begräbnis waren sehr hoch. Und so suchte man bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach einer preisgünstigeren Alternative. Sie lautete Feuerbestattung.

Seit 1874 machten sich in Dresden und Berlin engagierte Bürger für die Feuerbestattung stark und versuchten, der Bevölkerung die damals schier unüberwindliche Scheu davor zu nehmen. Vor allem die Kirchen wehrten sich wegen der von ihnen verkündeten Auferstehungslehre gegen eine Leicheneinäscherung. Doch nach Epidemien mit vielen Toten gaben sie ihre starre Haltung auf, plädierten sogar für die Verbrennung der Toten, um dann in einigen Regionen doch wieder Glaubensbarrieren zu errichten.

Während die Stadt Gotha bereits 1878 ihren Bürgern die Möglichkeit gab, die Toten zu verbrennen, war die Feuerbestattung im Königreich Preußen bis 1911 verboten – aus religiösen und sittlichen Gründen. Das erste Krematorium in Berlin wurde 1912 in der Weddinger Gerichtstraße eingeweiht. Zehn Jahre später, im Jahre 1922, hatte auch der Wilmersdorfer Friedhof an der Berliner Straße einen Ort für Feuerbestattungen.

Nach dem Entwurf der Architekten Herrnring und Bettenstedt entstand ein klassizistischer Kuppelbau mit Kolumbarium (Urnenhalle). 1960 wurde das Krematorium renoviert und war jahrzehntelang für West-Berliner der wohl bekannteste Ort für Einäscherungen. Seit 1990 ist das Krematorium für Verbrennungen zwar geschlossen, aber die Urnenhalle und die gärtnerische Anlage des Areals lohnen einen Besuch.

Denn dort befinden sich viele alte Grabstätten bekannter Persönlichkeiten. Hier wurden die Komponisten Leon Jessel, Theo Mackeben und Will Meisel bestattet. Auch die Familie Blisse, der Architekt des Strandbades Wannsee, Richard Ermisch, die Pädagogin Hildegard Wegscheider sowie der Schriftsteller und Berliner Heimatforscher Kurt Pomplun und die Begründerin der Schwerhörigenbewegung Freifrau von Witzleben haben hier ihre letzte Ruhestätte.

Die zentrale Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der Senatorin für Stadtentwicklung findet von 10 bis 17 Uhr statt. Die Eröffnung ist für 11 Uhr 30 vorgesehen. Zu dem umfangreichen Programm gehören unter anderem 15, zum Teil ungewöhnliche, Mustergräber. Zwölf davon wurden vom ortsansässigen Friedhofsgärtner Christoph Brezina zu einem jeweils anderen Thema gestaltet.

Mit einer Schauwerkstatt sind die Berliner Steinmetze vertreten und in einer kleinen Ausstellung können Sarg- und Urnenmalereien betrachtet werden. Jeweils etwa eine Stunde dauern zwei Führungen: Bei der einen steht das Gelände aus friedhofsgärtnerischer Sicht im Mittelpunkt, die andere hat das ehemalige Krematorium zum Thema. Vertreten ist unter anderem auch die Stiftung Historische Kirch- und Friedhöfe, die sich alter Grabstätten annimmt und Patenschaften für Restaurierungen sucht. Darüber hinaus gibt es ein Klavierkonzert, Filmvorführungen sowie Informationen und Beratungen durch die Friedhofsverwaltung, von Vereinen und Verbänden zu den Themen Tod und Trauer.

Doch auch auf anderen Friedhöfen finden Veranstaltungen statt, unter anderem „In den Kisseln“ in Spandau, auf dem Zentralfriedhof in Lichtenberg und auf dem Friedhof Baumschulenweg in Treptow.

In Potsdam soll die zentrale Veranstaltung von 10 bis 15 Uhr auf dem Neuen Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee stattfinden. Auf dem 1866 nach Plänen von Lenné geschaffenen Gelände gibt es neben Vorträgen und Diskussionen auch Führungen durch das Krematorium und über den Neuen Friedhof. Auf dem Vorplatz der Feierhallen zeigen Friedhofsgärtner Mustergrabbepflanzungen, geben individuelle Beratung und verkaufen Pflanzen. Die Steinmetze bearbeiten Grabmale und informieren über deren mögliche Formen und Materialien sowie über Inschriften. Darüber hinaus stellt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seine Arbeit vor und Bestattungsunternehmen sowie die Friedhofsverwaltung geben einen Überblick über ihre Leistungen.

DAS KREUZ gilt nach der Kreuzigung als ein von Christi Blut geheiligtes Zeichen des Sieges über Sünde und Tod.

DER ANKER bedeutet Hoffnung. Durch sie findet der Christ einen sinnbildlichen Anker in Gott. Oftmals wird der Griff des Ankers zum Kreuz umgestaltet und mit einem Herz versehen. So steht das Kreuz für den Glauben, das Herz für die Liebe und eben der Anker für die Hoffnung.

DER FISCH zählt zu den ältesten Christussymbolen und fand in der Verfolgungszeit weite Verbreitung. Das griechische Wort Ichthys für Fisch bekam durch die Abkürzung der Anfangsbuchstaben eine besondere Bedeutung: I (esous), ch (ristos), th (eou), y (ios), s (oter) bedeutet Jesus Christus Gottes Sohn Retter (oder Heiland). In diesen wenigen Buchstaben steckt die gesamte Lehre von Christus.

DIE TAUBE versinnbildlicht den Heiligen Geist. Schwebt sie empor, fliegt die menschliche Seele heim ins „Vaterhaus“.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar