Zeitung Heute : Ein Papst aus Südamerika Brüder und Schwestern, buona sera!

Franziskus I. – erstmalsseit Jahrhunderten kommtdas Oberhaupt nicht aus Europa Jorge Mario Bergogliowar bisher Erzbischofvon Buenos Aires Der 76-jährige Jesuitgilt in seiner Heimatals „Anwalt der Armen“Der 266. Pontifex Maximus beginnt sein Amtmit einer Demutsgeste.

Kein Papst vor ihm trug den Namen Franziskus. Das neue Kirchenoberhaupt Jorge Mario Bergoglio erinnert damit an den Bettelmönch und Begründer des Franziskaner-Ordens Franz von Assisi. Foto: Dylan Martinez/Reuters
Kein Papst vor ihm trug den Namen Franziskus. Das neue Kirchenoberhaupt Jorge Mario Bergoglio erinnert damit an den Bettelmönch...Foto: REUTERS

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist am Mittwoch zum neuen Papst Franziskus I. gewählt worden. Damit steht erstmals seit Jahrhunderten wieder ein Nicht-Europäer an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Der Erzbischof von Buenos Aires ist der 266. Papst der Kirchengeschichte und Nachfolger von Benedikt XVI., der am 28. Februar aus Altersgründen zurückgetreten war und sich auf den Sommersitz Castel Gandolfo zurückgezogen hat.

Um 20.22 Uhr war Bergoglio auf den Balkon des Petersdoms in Rom getreten und von Zehntausenden bejubelt worden. Fast schüchtern begrüßte er die Gläubigen auf dem Petersplatz mit einem „buona sera“, guten Abend. Kurz zuvor hatte Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran das Ergebnis des Konklaves mit den traditionellen lateinischen Worten „Habemus Papam“ (Wir haben einen Papst) verkündet.

Mehr als eine Stunde zuvor, um 19.06 Uhr, hatte weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle der Weltöffentlichkeit angezeigt, dass die seit Dienstag tagenden 115 Kardinäle darüber entschieden hatten, wer künftig die katholische Weltkirche mit ihren mehr als 1,2 Milliarden Gläubigen führen soll. Dafür war eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Die Entscheidung fiel im fünften Wahlgang.

Schon beim Konklave vor acht Jahren soll Bergoglio der schärfste Konkurrent von Josef Ratzinger gewesen sein. Der Argentinier erhielt damals laut Medienberichten 40 Stimmen der versammelten 115 Kardinäle. Erst in der vierten Abstimmungsrunde habe der konservative Flügel der Purpurträger den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation gegen den Lateinamerikaner durchgesetzt.

Nach seiner Wahl dankte Franziskus I. in einer kurzen Ansprache auf Italienisch den Menschen und betete für seinen Vorgänger Benedikt XVI. das „Vater unser“. Erstmals spendete der neue Papst den Segen „Urbi et Orbi“. „Es scheint, dass die Kardinäle bis ans Ende der Welt gekommen sind, um mich zu suchen“, sagte Franziskus I. Er rief die Gläubigen auf, den „Weg der Brüderlichkeit, der Liebe“ zu beschreiten. Zum Abschluss bat der neue Pontifex Maximus die Menschen auf dem Petersplatz, für ihn zu beten. Er verabschiedete sich mit den Worten: „Gute Nacht! Und ruht euch gut aus!“

Mit seiner Namenswahl erinnert der neue Papst an den Heiligen Franz von Assisi, den Bettelmönch und Begründer des Franziskaner-Ordens. Dies wird als Zeichen an die Armen der Welt und die vielen Katholiken außerhalb Europas gewertet.

Bergoglios Wahl wurde weltweit überwiegend begrüßt. In der Kathedrale der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires brach Jubel aus. „Er ist sehr unkompliziert und fühlt mit den Bedürftigsten“, sagte der Weihbischof von Buenos Aires, Eduardo García. Unter den ersten offiziellen Gratulanten waren die Präsidenten Mexikos und Kolumbiens. Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte Franziskus I. mit den Worten: „Die Menschen in Deutschland, besonders die katholischen Christen, sehen ihrem Pontifikat voller Erwartung und Sympathie entgegen“. Kanzlerin Angela Merkel sagte: „Ich freue mich insbesondere mit den Christen in Lateinamerika, dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der katholischen Kirche berufen worden ist.“ mit AFP/epd

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