Zeitung Heute : Ein Platz für Kinder

Bas Kast

Zu viele Kinder sind zu dick, sagt Renate Künast. Was muss geschehen, damit die jüngsten Deutschen gesund bleiben?

Es ist ein wachsendes Problem: Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche sind übergewichtig. Und mit den überflüssigen Pfunden steigen die Gesundheitsrisiken – das Herz ist in Gefahr, Diabetes droht.

Eine Situation, die uns alle herausfordert und in die Verantwortung nimmt, wie Christiana Einig, Wissenschaftlerin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, sagt. Drei Probleme stehen im Vordergrund.

Erstens: Kinder und Jugendliche bewegen sich weniger als je zuvor. Die Freizeit verbringen sie vor dem Fernseher, Computer oder mit dem Handy – „lauter Aktivitäten, bei denen man nicht gerade viel Energie verbraucht“, sagt Einig. Hinzu kommt, dass viele Großstädte, Berlin etwa, Kindern nur wenig Raum bieten, sich richtig auszutoben. Schwimmbäder werden geschlossen, Spielplätze fehlen. „Und in den Wohungen wird den Kindern gesagt, dass sie sich möglichst ruhig verhalten sollen.“ Einig plädiert deshalb dafür, „mehr Kinderfreiräume“ zu schaffen.

Das zweite Problem: die Ernährung. In den vergangenen Jahrzehnten ist – etwas überspitzt formuliert – das klassische Pausenbrot von Mutti zunehmend durch den Schokoriegel ersetzt worden. Früher wurde noch häufig Mittagessen gekocht. Gemeinsame Mahlzeiten sind seltener geworden. „Bei der Ernährung spielen wir als Eltern natürlich eine große Rolle, denn wir prägen die Essvorlieben unserer Kinder.“ Auch wie man isst, habe einen Einfluss, sagt die Expertin: „Viele essen heute vor dem Fernseher – so merkt man aber weitaus weniger gut, ob man satt ist.“

Aktuelle Studien bestätigen diese Bestandsaufnahme. So kam eine große Untersuchung von Forschern der Universität von Kalifornien in San Diego erst vor zwei Monaten zum Schluss: Normalgewichtige Kinder bewegen sich nicht nur mehr, sie essen auch mehr Obst und Gemüse. Bei den Jungs verbrachten diejenigen mit normalem Gewicht im Schnitt täglich 108 Minuten vor dem Fernseher – im Vergleich dazu die Übergewichtigen: 142 Minuten.

Die Ernährungsforscherin Einig sieht aber noch ein drittes, entscheidendes Problem: „Übergewicht fällt uns bisher zu wenig auf.“ Von vielen Eltern werde es nicht als gesundheitliches Problem gesehen. „Das ist es aber – und zwar ein ernstes.“

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