Zeitung Heute : Ein Plus für die Hauptstadt

Jahrelang ist die Berliner Wirtschaft geschrumpft, jetzt sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine Trendwende. Die neue Prognose für den Tagesspiegel zeigt: Im laufenden Jahr ist ein positives Wachstum von 0,4 Prozent zu erwarten

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Von Alexander Visser Die Konjunkturkurve Berlins geht nach oben. Das belegt ein neuer Frühindikator, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt erstmals exklusiv für den Tagesspiegel berechnet hat. Das Berliner Forschungsinstitut rechnet demnach für das laufende Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Hauptstadt von 0,4 Prozent.

In den vergangenen zehn Jahren war die wirtschaftliche Dynamik in Berlin spürbar schwächer ausgeprägt als in Deutschland, meist sank das Bruttoinlandsprodukt sogar. Mit dem neuen DIW- Indikator kann eine statistisch abgesicherte kurzfristige Prognose der künftigen Berliner Konjunktur erstellt werden. „Zusätzlich zu einem erweiterten Informationsstand trägt die Prognose auch zu einer besseren Artikulation und Bewertung von politischen Entscheidungen bei“, sagt DIW-Forscher Christian Dreger.

Das Berliner Wachstum ist zum einen vom gesamtdeutschen Wachstum und zum anderen von berlinspezifischen Größen abhängig. Den Zusammenhang zur deutschen Konjunktur zeigt die obere Grafik. Die wichtigsten regionalen Indikatoren sind die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe, die Kfz-Neuzulassungen sowie die Gewerbeanmeldungen.

In einem ersten Schritt wird das Bruttoinlandsprodukt Berlins, das von der Statistik nur jährlich ausgewiesen wird, auf Quartale heruntergebrochen. Die zweite Grafik zeigt, dass die Entwicklung der vergangenen Jahre recht gut durch den gewählten Ansatz erklärt werden kann.

Wird die Entwicklung mit dem zu Grunde liegenden Modell bis Ende 2006 prognostiziert, ergeben sich Quartalswachstumsraten von jeweils etwa 0,1 Prozentpunkten. Damit dürfte die wirtschaftliche Dynamik in Berlin auch im Jahr 2006 geringer als in Deutschland ausfallen. „Allerdings stehen die Chancen recht gut, dass die Phase negativen Wachstums im laufenden Jahr beendet sein wird“, sagt Dreger.

Die Fußball-Weltmeisterschaft, von der sich viele einen Mini- Boom erhoffen, werde aber kaum Einfluss auf das regionale Bruttoinlandsprodukt haben: „Wir rechnen mit einem Wachstumsimpuls von 0,1 Prozent.“

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