Zeitung Heute : Ein politischer Sprengsatz

Paul Janositz

Nordkoreas Führung versichert, dass bei dem unterirdischen Atomtest keinerlei radioaktive Strahlung ausgetreten ist. Wie funktioniert ein solcher Test?


Ein solcher Test soll zunächst herausfinden, ob die Zündung der Atombombe funktioniert. Dabei gibt es zwei Methoden, um eine Atombombe scharf zu machen. Erstens: Die Implosion, bei der das spaltbare Material als Hohlkugel angeordnet wird, die von einer Schicht Sprengstoff umgeben ist. Letztere wird durch elektrische Zünder zur Explosion gebracht. Die entstehende Druckwelle presst das spaltbare Material im Innern zusammen. Eine solche Technik hatte die Bombe, die am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurde.

Die andere Methode ist eine Zündung, mit der zusätzliches spaltbares Material auf den Kernsprengstoff geschossen wird. Ein solches „Gun-Design“ besaß die Hiroshima-Bombe. Die Zündung setzt eine Kettenreaktion in Gang, die Atomwaffen ihre gewaltige Zerstörungskraft durch Kernspaltung gibt. Eine Kettenreaktion kommt aber nur zustande, wenn eine Mindestmenge an spaltbarem Uran 235 oder Plutonium 239 in der Bombe vorhanden ist. Erst ab einem bestimmten Verhältnis von Masse zu Oberfläche des spaltbaren Materials werden genügend Neutronen frei, um weitere Kerne zu spalten. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea derzeit 20 bis 53 Kilogramm an atomwaffenfähigem Plutonium besitzt – das würde für ungefähr acht Bomben reichen.

Getestet wird auch, ob die Explosion in der geplanten Stärke abläuft. Bei oberirdischen Tests lässt sich das an dem Feuer, dem Rauch und der Asche erkennen. Bei einem unterirdischen Test sind diese Phänomene nicht zu sehen. Hier kann als Beleg nur die Erderschütterung am Testort dienen, die sich von einem natürlichen Beben unterscheidet. Die in der Nähe der Stadt Kilju registrierte Stärke von 4,2 auf der Richterskala lasse auf eine nukleare Explosion schließen, sagt Winfried Hanka vom Geoforschungszentrum Potsdam.

Fraglich ist aber auch, wie stark die Sprengkraft der nordkoreanischen Bombe gewesen ist. Südkorea schätzte sie zunächst auf 550 Tonnen TNT. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe besaß mit rund 15 Kilotonnen fast die 30-fache Sprengkraft. Einen Hinweis auf die Sprengkraft gibt das ausgelöste Beben. So gehen Experten bei Nordkoreas Testbombe von ein bis zwei Kilotonnen TNT aus.

Ob tatsächlich eine Atombombe getestet wurde, steht zweifelsfrei aber erst fest, wenn radioaktive Teilchen in der Atmosphäre nachgewiesen werden. Denn auch bei unterirdischen Versuchen wird Radioaktivität freigesetzt – wie die weltweit bisher 1500 Atomtests gezeigt haben.

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