Zeitung Heute : „Ein sadistischer Nazi“

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Über die Trauerrede von Günther Oettinger ist der Schriftsteller Rolf Hochhuth entsetzt. Hochhuth war es, der 1978 Hans Filbingers Tätigkeit als NS-Marinerichter öffentlich gemacht hatte. Wenn Oettinger nun sage, Filbinger habe als Marinerichter in der NS-Zeit kein Urteil gesprochen, durch das ein Mensch sein Leben verloren habe, sei das „eine unverfrorene Erfindung“. Für den Tod des Matrosen Walter Gröger sei Filbinger verantwortlich gewesen, er habe den 21-Jährigen „persönlich noch in britscher Kriegsgefangenschaft ermordet“. „Ich habe die Akte Gröger im Bundesarchiv gefunden“, sagt Hochhuth.

Die Briten hätten in ihren Gefangenenlagern den Nazi-Offizieren die Gerichtsbarkeit über ihre Mitgefangenen belassen. So habe Filbinger darauf bestehen können, dass das Urteil gegen den Mitgefangenen Gröger wegen Fahnenflucht vollstreckt werden konnte. „Wozu nichts Filbinger genötigt hat als die Tatsache, dass er ein sadistischer Nazi war“, sagt Hochhuth. Filbinger habe für Grögers Hinrichtung bei den Briten Gewehre ausgeliehen, ein Erschießungskommando zusammengestellt und sich selbst als der „Feuer“ befehlende Vollstrecker ins Protokoll gesetzt. dpa

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