Zeitung Heute : Ein Schaufenster für Berlin

Fern Mallis organisiert die New York Fashion Week. Jetzt sorgt sie mit dafür, dass im Sommer auch in Berlin Modenschauen stattfinden

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Im Juli werden der Modemacher Michael Michalsky, die Boss-Marke Hugo, Puma mit der Sport-Heritage-Kollektion „Rudolf Dassler by Puma“ und Vivienne Westwood ihre Mode am Brandenburger Tor zeigen. Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin (MBFWB) wird von der internationalen Agentur IMG organisiert. Fern Mallis, Vice President von IMG Fashion in New York, verrät, was sie von der Berliner Modeshow erwartet.

Ist Berlin für IMG vor allem die Hauptstadt eines wirtschaftlich bedeutenden Marktes oder eher eine kreatives Zentrum für Mode?

Beides. Deutschland ist die drittstärkste Wirtschaftsnation der Welt und damit ein wichtiger Markt für Mode und Luxusmarken. Berlin hat die kreative Szene immer angezogen, allerdings nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient hätte – insbesondere, was die Mode angeht. Angesichts der großen Zahl von Designschulen in Berlin und der vielen etablierten und aufstrebenden Designer befindet sich die MBFWB an einem ganz besonderen Ort und wird eine Plattform bilden, um diese Designer der internationalen Modepresse und dem Einzelhandel vorzustellen.

Glauben Sie, dass die jungen Labels, die sich im Juli in Berlin präsentieren, auch international eine Chance haben?

Wir entwerfen die Kollektionen natürlich nicht selbst, aber wir glauben an die Talente, die wir präsentieren. Es liegt an ihnen, ihre besonderen Sichtweisen der Welt zu präsentieren.

Wie wichtig ist die Unterstützung durch die Stadt Berlin für die Fashion Week?

Die Unterstützung durch die Stadt ist wichtig, um ein Ereignis dieser Größe zu realisieren. Natürlich gibt es grundsätzliche Bedürfnisse, zum Beispiel brauchen wir Unterstützung bei der Infrastruktur, aber letztlich muss die Stadt, von Restaurants über Hotels bis zu den Clubs, hinter so einem Projekt stehen. Das sind die Unternehmen, die oft von einer Modewoche profitieren, aber sie müssen auch selbst dazu beitragen, dass die Veranstaltung stark wird. Die städtische Regierung kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, diese Form der Unterstützung anzuschieben, indem sie bei ihren eigenen Maßnahmen mit gutem Beispiel vorangeht. Allein die Tatsache, dass wir die MBFWB am Brandenburger Tor veranstalten können, ist ein Beleg für die Unterstützung durch die Regierung .

Ist es notwendig, das Konzept für eine Modewoche an die spezifischen sozialen und kulturellen Verhältnisse in Deutschland anzupassen?

Es gibt für ein Ereignis dieser Art internationale Produktionsstandards, die von den Vertretern der Modeindustrie, die zu den Shows kommen, erwartet werden. Darüber hinaus spielt aber bei jedem Event auch die Atmosphäre des Veranstaltungsortes eine wichtige Rolle. Unsere Veranstaltungen in Mumbai und Moskau sind der in New York aber ziemlich ähnlich. Es gibt so etwas wie eine globale Sprache für Modewochen.

Warum ist die New York Fashion Week so bedeutend für die Stadt?

Sie generiert Hunderte Millionen Dollar und ist ein wichtiges Schaufenster für die Stadt. Die Zelte im Bryant Park haben sich zu einem weltweiten Wahrzeichen entwickelt, und wir hoffen, dass die Gebäude, die wir am Brandenburger Tor errichten werden, ähnlich wahrgenommen werden.

Wie schaffen Sie es, mit der New York Fashion Week Umsätze in Höhe von 150 Millionen Dollar zu erwirtschaften?

Wir haben diese Veranstaltung seit mehr als zehn Jahren aufgebaut, und wir bemühen uns, dass sie frisch und relevant bleibt. Das liegt aber zum großen Teil auch an den Designern, die dort ihre Kollektionen zeigen.

Das Gespräch führten Grit Thönnissen und Jan Schröder

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