Zeitung Heute : Ein Schritt aus dem Dunkel

Der Tagesspiegel

Der Papst hat klare Worte gesprochen und dafür zu Recht viel Lob bekommen. Dennoch besteht kein Anlass zu glauben, mit dieser spektakulären Konferenz in Rom sei nun alles getan. Denn das Problem liegt tiefer. Mitursache für die jahrelangen Vertuschungen von Kindesmissbrauch von Klerikern ist, dass die katholische Kirche sich nicht zutraut, über Probleme der Sexualität und über Erfahrungen mit Sexualität offen zu sprechen. Das Thema ist immer noch tabu. Und die Widerstände gegen eine konsequente Aufdeckung der Missbrauchsfälle und eine konsequente Prävention werden hoch bleiben. Darum ist jetzt als erste die englische Kirche dazu übergegangen, neutrale Anlaufstellen für die betroffenen Familien zu schaffen, die nicht mehr direkt mit dem Kirchenmilieu verbunden sind und die eng mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten. Die US-Kirche wird dieser Linie auf römischem Druck wohl folgen – ein wichtiger Schritt. Denn dann liegt es nicht mehr im alleinigen Ermessen des Bischofs, ob er einen Verdacht weitermeldet und Anzeige erstattet. Damit wäre sichergestellt, dass jede Tat aufgeklärt und geahndet wird. Und dann entsteht eine verbindliche Verpflichtung der Kirche gegenüber den minderjährigen Opfern und ihren Familien. M.G.

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